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Korea: Neuigkeiten aus der Greenpeace-Wale-Botschaft in Ulsan

In Ulsan/Korea tagte vom 20. bis 24. Juni 2005 die Internationale Walfang-Kommission (IWC). Greenpeace hat dort gegen den Walfang protestiert . Lesen Sie hier die Berichte der Greenpeace-Aktivisten vor Ort.

 

Samstag, 25. Juni

Die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und viele von uns waren auch emotional ziemlich geschafft von der Situation hier. Seit viele der Aktivisten weg sind, können die Zurückgebliebenen das Camp so gut wie gar nicht mehr verlassen, da wir sonst nicht genug Leute zur Bewachung der Botschaft hätten.

Die IWC war ein großes Ziel für uns. Das wir es geschafft haben, die Wale-Botschaft bis zur Konferenz zu halten, ist ein großer Erfolg. Die Frage bleibt nur, ob die Konferenz selbst überhaupt effektiv ist, um Wale zu schützen. Nun ist die IWC vorbei, und wenn wir mit unseren Leuten sprechen, die an der Konferenz teilgenommen haben, haben wir doch alle das Gefühl, dass die IWC nicht wirklich etwas für die Wale erreicht hat und wahrscheinlich auch in Zukunft nicht erreichen wird. Das ist schon enttäuschend.

Am Freitag haben wir von einem BBC-News-Artikel erfahren, in dem der koreanische Kommissioner sagt, die Walfleischfabrik werde doch gebaut. Er sähe nur Vorteile in einem Bau solch einer Fabrik, da dies den Behörden dazu verhelfen würde, illegalen Walfang (getarnt als Beifang) aufzuspüren und zu kontrollieren. Genauer hat er dies leider nicht erklärt...

Die Bauarbeiter hier haben um uns herum einen hohen Bauzaun errichtet, der uns fast schon umzingelt. Das wirkt sich auf die Stimmung hier im Camp auch nicht gerade besonders gut aus. Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass mit dem Bau der Walfleischfabrik (im Gegensatz zum Research Center) vor Ende diesen Jahres begonnen wird. In den nächsten Monaten wird KFEM die Regierung weiter unter Druck setzen, um zu verhindern dass sie das nötige Geld für den Bau der Fabrik bereitstellt.

Morgen ist nun unser letzter Tag hier. Wir erwarten zum Glück viele Helfer von KFEM und hoffen, dass wir alles gut in einem Tag schaffen werden. Heute und gestern abend kamen viele von unseren Freunden und KFEM-Helfern vorbei und haben mit uns Abschied von Jangsengpo gefeiert, wir haben uns gegenseitig für die gute Arbeit gedankt und Geschenke ausgetauscht. Es scheint, als würden in Jangsengpo, in Ulsan und sogar über ganz Korea verteilt sehr viele Menschen sich noch lange an diese 77-Tage-Besetzung auf dem Gelände der geplanten Walfleischfabrik errinnern. Hoffentlich werden die Menschen die Kampagne weiterführen, sodass wir nicht noch einmal zurück kommen müssen, um den Bau der Fabrik zu stoppen.

Donnerstag, 23. Juni

Gestern hatten wir hohen Besuch hier: der australische und der neuseeländische Umweltminister kamen uns besuchen. Mit ihnen kamen eine Horde Kamerateams und Menschen in schicken Anzügen und machten für 20 Minuten ein grosses Spektakel um unsere Wale-Botschaft. Für uns war dies natürlich ein sehr medienwirksamer Besuch, aber auch eine sehr gute Gelegenheit, den Ministern vor laufenden Kameras für ihre Anti-Walfangarbeit zu danken und weitere Aktionen zu fordern. Der australische Minister meinte, Walfang gehöre in die Geschichtsbücher, und nachdem wir den beiden T-Shirts aus der Walebotschaft überreicht hatten, meinte der Minister, er würde dieses T-Shirt mit Stolz tragen. Insgesamt war dieser Besuch von offiziellen Regierungsvertretern bei einer Greenpeace-Besetzung ein sehr grosser Erfolg für uns.

Das Team in der Wale-Botschaft wird immer kleiner, immer mehr Leute verlassen uns und wir merken, wie unsere Zeit hier langsam zu Ende geht. Mit der IWC in vollem Gange ist das Campaigner-Team dort sehr beschäftigt, und hier ist es meist sehr ruhig. Tagsüber ist es kaum möglich zu arbeiten, es ist einfach zu heiss, in den Zelten ist die Luft unerträglich und der einzige Schatten draussen bietet unser aufblasbarer Wal. Dort lässt es sich ganz gut aushalten. Kelly, unsere Aktivistin aus den USA hat uns nach 5 Wochen hier verlassen, und wir sind ausnahmsweise alle zusammen in einem traditionellen koreanischen Restaurant essen gegangen, während Thomas Henningsen und ein paar andere auf unser Camp aufgepasst haben. Zum Abschluss haben wir uns tatsächlich noch in Karaoke versucht, sehr zu unser aller Vergnügen...

Montag, 20. Juni

Gestern abend fand die Projektion an dem IWC Hotel in Ulsan statt, bei der Menschen aus aller Welt Fotos von sich mit einer Anti-Walfang- Nachricht ins Internet gestellt hatten. Über 51 000 Menschen haben an diesem Virtual March teilgenommen. Für diejenigen, die in der Wale-Botschaft während des Virtual Marches Stellung hielten, war es gestern abend sehr ruhig. Später kamen die anderen wieder und berichteten uns von den Ereignissen, alles hat sehr gut geklappt. Wir waren froh, es geschafft zu haben.

Was die IWC betrifft, so sind wir hier in der Botschaft doch sehr abseits vom Geschehen. Aber wir hören immer die Berichte der Greenpeace Kampaigner und Presseleute, die uns hier besuchen. So war die Neuigkeit doch sehr beunruhigend für uns, dass noch drei afrikanische Länder auf japanischer Seite der IWC beigetreten sind und Japan damit die Chance hat, eine Mehrheit im Komitee zu erreichen. Zum Glück hatten diese Länder ihren Mitgliedsbeitrag nicht rechtzeitig gezahlt, so dass die Abstimmungen gegen Japan ausgegangen sind. Japan hatte Anträge gestellt, Diskussionen über Schutzgebiete sowie den Tierschutz von der IWC-Tagesordnung zu streichen und geheime Abstimmungen einzuführen. Diese Anträge wurden jedoch abgelehnt.

Sonntagnacht kam noch ein Mann in unser Gemeinschaftszelt gestürmt und sagte uns, dass nur dreihundert Meter vom Camp gerade ein Minkewal zerteilt wird. Sofort machten sich Jim, der Campaigner, und Marek, unser Kameramensch, auf, um dies zu filmen. Auf dem Gehsteig war ein 4,5 Meter langer Wal (ein sehr junges Tier) schon fast völlig zerstückelt worden. Es sei nur der Kopf noch zerteilt worden. Jim und Marek wurden nicht besonders freundlich empfangen, mit Walblut bespritzt und mit Eisstücken beworfen. Sie haben es trotzdem geschafft, das ganze auf Video aufzunehmen. Ein Mann teilte ihnen mit, dass dieser Wal kein Beifang sei, sich also nicht in einem Fischnetz verfangen hat und ertrunken ist, sondern so gefangen worden sei, was natürlich illegal ist. Wir wissen leider nicht, ob diese Behauptung stimmt. Der Minkewal wurde für US $31.000 verkauft.

Sonntag, 19. Juni

Das Wochenende ist überstanden: wir haben alle sehr lange und hart gearbeitet, hatten aber auch sehr viel Spass ! Am Donnerstagabend gab es hier ein grosses Feuerwerk zur Eröffnung des Walfang- Festivals. Das ganze Wochenende drang pausenlos laute und meist sehr gewöhnungsbedürftige Musik zu uns herüber. Für diejenigen, die für unseren Stand im Park eingeteilt waren, war es eine Erholung, hier wegzukommen. Hier in der Wale-Botschaft und im Park hatten wir sehr viele Besucher. Ich habe Stunden damit verbracht, kleinen Kindern Wale und Delpine auf die Gesichter und Arme zu malen. Eine nette Aufgabe: die Kinder hier sind einfach super und die Eltern werden währenddessen von uns mit Infos zum Thema Wale und Walfang versorgt.

Ich hatte das Glück, zur rechten Zeit einmal kurz das Walfangfestival zu besuchen, gerade als die traditionellen Zeremonien begannen. Es wurde ein Walfang nachgespielt, also ein Holzwal von Menschen auf Holzschiffen geschossen, dann kamen die Frauen und zogen den Wal an Land, und am Ende kletterte ein ziemlich gemein aussehender Mann auf den Holzwal und tat so, als würde er ihn zerlegen. Das Ganze geschah unter Trommeln, grossem Hallo und Gejubel der Zuschauer. Allerdings gibt es dieses Fest mit diesen Zeremonien erst seit zehn Jahren und scheint Kritikern etwas fragwürdig. Natürlich wurde auf dem Fest auch Walfleisch verkauft.

Im Park an unserem Stand zu arbeiten war wirklich eine Erholung, die Luft war viel besser und es war schön, einmal wieder Bäume und Wiesen um sich herum zu haben. Wir hatten unseren Stand neben Green Korea, einer anderen koreanischen Umweltschutzorganisation. Mit unserem großen aufblasbaren Wal, einem Fernseher, der Wal- und Walfangbilder zeigte, und einem Poster vom japanischen Walfang direkt auf dem Weg erregten wir schon große Aufmerksamkeit. Unsere japanischen Nachbarn kamen uns auch einmal besuchen: sie waren sehr freundlich, aber nicht sehr erfolgreich bei dem Versuch, uns davon zu überzeugen, dass doch alle Länder wieder Wale fangen sollten. Als ich sie auf die sehr geringen Populationsschätzungen der Grauwale in koreanischen Gewässern ansprach und fragte, ob sie nicht ein Problem im Fang dieser vom Aussterben bedrohten Art sähen, lachten sie nur und meinten, Greenpeace suche sich ja immer nur die negativsten Beispiele bei ihren Diskussionen heraus. Da konnte auch ich nur lächeln und sie gehen lassen.

Mein erstes nicht so schönes Erlebnis hier war die Begegnung mit einem sehr wütenden Walfleischrestaurant- Besitzer beim verteilen des Flyers auf dem Festival. Er kam auf uns zu, riss uns die Zettel aus der Hand, warf sie auf den Boden und schrie uns wild gestikulierend an. Leider hatten wir keine koreanischen Übersetzer dabei, so konnten wir nur dastehen, freundlich lächeln und darauf warten, dass er sich langsam beruhigt. Viele Leute blieben stehen und hörten zu, einige hoben die Zettel vom Boden auf und lasen interessiert weiter. Uns kam ein Mann zur Hilfe, der übersetzte, dass der Restaurantbesitzer uns und unsere Kampagne nicht mag (hätten wir uns fast gedacht...) und wir doch in unsere eigenen Länder zurück gehen sollten, um dort gegen Walfang zu protestieren. Irgendwann sind wir einfach weggegangen, um ein paar Ecken verschwunden und haben unsere Zettel zuende verteilt.

Der selbe Koreaner kam am Abend sehr betrunken zu unserer Wale-Botschaft und schrie uns weiter an, diesmal war zum Glück unser Freund, Übersetzer und KFEM-Kampaigner Mr. Ma dort, um sich um den Mann zu kümmern. Dieser meinte, er hätte zusammen mit anderen Walfleischrestaurant-Besitzern eine Gang angeheuert und Benzinkannister besorgt, um uns hier zu attackieren und zu verjagen. Solche Drohungen sind für dieses Camp nichts Neues, dennoch sind wir natürlich vorsichtig und müssen die Polizei und Gemeinde jedes Mal verständigen, um solche Vorfälle zu melden. Zusätzlich haben wir unsere Nachtschichten verdoppelt und bleiben natürlich sehr wachsam.

Was die Gerüchte um den Bau der Walfleischfabrik betrifft, so hören wir immer wieder Neues. Die australische Botschaft hat die Stadtregierung von Ulsan angerufen, um in Erfahrung zu bringen, ob es stimmt, dass sie die Walverarbeitungsfabrik nicht mehr bauen wollen. Die Stadtregierung hat erwidert, dass sie gar nie vorgehabt hätte, eine zu bauen. Um ein bisschen auszuführen: Eine unserer koreanischen Übersetzerinnen hat gesagt, dass es in Korea als schändlich angesehen wird, öffentlich sein Gesicht zu verlieren. Die koreanische Regierung wollte vermutlich nicht zugeben, dass sie die Pläne auf Grund des Druckes von Greenpeace und KFEM verworfen haben. Und sagten, sie hätten einen solchen Bau nie vorgehabt. Diese Neuigkeiten stimmen uns alle sehr zuversichtlich und lassen darauf hoffen, dass es sich beim Zeitungsbericht nicht bloss um ein Gerücht handelt.

Mittwoch, 15. Juni

Die Ruhe hat sich gelegt - und der Sturm begonnen. Unser Camp wird immer voller, jeden Tag kommen neue internationale Greenpeace-Kampagnen- und Presseleute im Vorfeld der IWC zu uns. Heute waren alle sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen zum Walfänger-Festival, dass in Ulsan dieses Wochenende stattfinden wird. Dieses Fest, komplett mit traditionellen und Jahrhunderte-alt wirkenden Ritualen und Tänzen rund um den Walfang und natürlich auch Walfleischverkauf wird erst seit 10 Jahren hier in Ulsan gefeiert - und hat eine sehr imposante Präsenz der japanischen Walfanglobby vor Ort.

Das Ganze findet in der Innenstadt und hier draußen am Hafen, direkt neben uns, statt. Schon jetzt werden neben uns Stände und Bühnen aufgebaut und Musik dröhnt zu uns herüber. Ich habe etwas Schwierigkeiten, mich für koreanische Popmusik zu begeistern und schon überlegt, ob ich denen nicht eine CD schenken sollte. Insgesamt rechnen die Organisatoren wohl mit 200.000 Besuchern pro Tag !!! Da wir nicht viele Aktivisten sind und uns aufteilen müssen, werden uns Mitglieder von der KFEM (Korean Foundation of Environmental Movement) unter die Arme greifen. Einen Stand im Park in der Innenstadt haben wir auch organisiert, gleich in Nachbarschaft der Japanischen Walfang-Vereinigung. Wir werden wohl die einzige Anti-Walfang-Organisation dort sein und unsere Nachbarn mit Postern ihrer Walfangboote beim Jagen erfreuen.

Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die Präsentation des Virtual March, für den über 28.000 Leute aus aller Welt Fotos von sich mit einer Anti-Walfang Nachricht per Internet zu Greenpeace geschickt haben. Am Sonntag werden diese Bilder von Walfanggegnern im Zentrum von Ulsan projeziert. Wir haben die Erlaubnis bekommen, die Projezierung an dem Hotel durchzuführen, in dem die IWC-Tagung stattfinden wird !!

Etwas, das uns heute auch noch aus unserem alltäglichen Rhythmus geworfen hat, war die Information, dass eine koreanische nationale Zeitung einen Artikel darüber gedruckt hat, dass die koreanische Regierung beschließt, den Plan für den Bau der Walfleischfabrik einzustellen. Leider ist es ziemlich unmöglich, dies von der Regierung schriftlich zu bekommen und darum auch nicht die Zeit, dies als Sieg zu feiern. Jedoch stimmt es uns zuversichtlich, da die Regierung jetzt dazu Stellung nehmen muss - denn die Reaktionen auf nationaler wie internationaler Ebene werden bestimmt nicht ausbleiben. Der Artikel zitiert die koreanische Regierung, welche gesagt haben soll, dass der Bau der Fabrik nicht von ‚nationalem Interesse’ wäre, da Korea nicht als Pro-Walfangnation da stehen möchte.

Dienstag, 14. Junil

Heute abend gab es für einige von uns die einmalige Gelegenheit, auf eine Einladung hin eine Opernvorstellung in Ulsan zu besuchen. Wir wurden vor dem Opernhaus wie VIPs empfangen - etwas, das für uns alle sehr ungewohnt war. Der Produzent der Oper setzte uns auf die besten Plätze, um uns zu zeigen, wie sehr er mit unserer Arbeit gegen den Walfang sympathisiert! Gleich nach der Oper gingen wir zu einem Restaurant, in das wir von Dr. Moon, einem Zahnarzt aus Ulsan, eingeladen worden waren. Die Speisen, die Dr. Moon im Voraus für uns ausgesucht hatte, waren zwar sehr ungewöhnlich für uns, aber unglaublich lecker. Für Eric aus den Niederlanden und Jo aus Kanada war dies der letzte Abend in Korea. Sie hatten während der Abwesenheit von Adam und Jim das Camp wunderbar geleitet. Nochmals vielen Dank den Beiden für die tolle Arbeit ! Dr. Moon setzt sich seit Jahrzehnten sehr aktiv im Umweltschutz ein. Er war einer der ersten Koreaner, die das Thema damals auf den Tisch brachten - und das noch zur Zeit der Militärdiktatur. Im April begleitete Dr. Moon die Rainbow Warrior auf ihrer Korea-Tour 2005. Er sagte, für ihn sei es ein unbeschreibliches Gefühl, mit Greenpeace-Leuten an einem Tisch in Korea sitzen zu können.

Montag, 13. Juni

Heute kamen Bauarbeiter zu uns auf das Gelände und haben angefangen, die Umgebung zu vermessen, Telefonleitungen zu legen und Wohncontainer aufzustellen. Der neue Bauleiter versprach uns, dass diese Vorarbeiten unsere Wale-Botschaft in keiner Weise stören würden. Gleichzeitig schien er aber doch sehr interessiert daran, herauszufinden, wann wir denn nun endlich unser Camp abbauen wollen. Diesbezüglich äußerten wir uns nicht zu präzise.

Die letzten Tage war es sehr heiß hier, und es strengt uns alle etwas an, dieser Hitze von morgens um sieben bis spät abends nicht entfliehen zu können. Der Wind bringt jedoch meist erfreuliche Erfrischung, allerdings auch Staubwolken und die interessantesten Chemie- und Gasgerüche aus der Umgebung hier. Die Luftverschmutzung wirkt sich auf einige von uns gesundheitlich sehr stark aus, was wirklich etwas bedenklich ist. Wir haben gehört, dass wegen der starken Verschmutzung in den 80er Jahren zehntausende von Menschen aus dieser Gegend evakuiert werden mussten. Mir geht es zum Glück gut. Heute veranstalteten wir ein kleines Klettertraining mit Mikey aus Australien als unser Trainer, und ich hatte sehr viel Spass, über Kopf an unserem Fahnenmast zu hängen.

Sonntag, 12. Juni

Letzte Woche ging unglaublich schnell rum, obwohl es insgesamt doch sehr ruhig hier war. Viele neue Leute sind angekommen und wir hatten alle Zeit uns anzufreunden, viel von unserer neuen Umgebung zu lernen und uns gut in die kleinen Details der Problematik um den Walfang und die Internationale Walfangkonferenz einzuarbeiten. Ein bisschen schien es wie die Ruhe vor dem Sturm, da wir uns alle darüber im Klaren sind, dass die nächsten zwei Wochen noch einmal wirklich harte Arbeit erfordern.

Und schon stand das Wochenende wieder vor der Tür, an dem wir alle Hände voll zu tun hatten. Gleich Samstag morgen kamen 3 Busse mit 70 Kindern vorbei, die wir mal schnell für eine Stunde beschäftigen mussten.

Unsere Vorträge für die Besucher hier werden immer sehr begeistert und dankbar aufgenommen. Oft wird uns mit Applaus für unsere Reden gedankt. Meist geht es hier darum, Vorurteile abzubauen und Mißvertändisse zu klären. Es glauben beispielweise viele Leute, dass hauptsächlich Wale dafür verantwortlich sind, dass in den Meeren immer weniger Fische gefangen werden. Das stimmt natürlich nicht. Es ist schön zu sehen, dass die Menschen sich sehr schnell für das Schicksal der Wale interessieren.

Wir bemühen uns, statistisch gesicherte Informationen zu vermitteln, wie beispielsweise Populationszahlen verschiedener Walarten um Korea oder jährliche Beifangzahlen von Korea und Japan im Vergleich. Dabei beziehen wir uns meist auf Recherchen von unabhängigen Wissenschaftlern, die auch gerade hier im Scientific Committee der IWC tagen.

Gestern war außerdem ein ganz besonderer Tag: das zweimonatige Jubiläum unserer Besetzung dieses Walfleischfabrikgeländes mit unserer Wale-Botschaft hier in Jangsaengpo ! Dazu haben wir abends aus gegebenem Anlass unsere KFEM-(Korean Federation of Environment Movement)Freunde und Mitstreiter zu einer Feier in unserem doch erstaunlich gemütlichen Wohn-/Küchen-/Schlafzelt eingeladen. Eine Motto-Party sollte es ja schon sein, und deshalb mussten sich alle als Piraten verkleiden. Es war schön, unsere KFEM-Mitstreiter in netter Atmosphäre kennenzulernen. Und wer hätte schon gedacht, dass wir so ein Jubiläum hier je feiern würden !

Dienstag, 31.Mai

Der Premierminister von Korea war heute hier, ebenso der Minister für Fischerei und Meeresangelegenheiten, sowie etwa hundert Offizielle und hohe Militärs auf der Bühne vor einem gekauften Publikum von etwa 4.000 Personen. Alle befanden sich wenige hundert Meter entfernt von unserer Wale-Botschaft auf der Seite der geplanten Walfleischverarbeitungsfabrik. Für 11 Uhr organisierte die KFEM (koreanische Walschutz-NGO) zwei Paraglider, die über die Veranstaltung flogen mit der Aufschrift Ulsan - Stadt des Whalewatching - KFEM in Koreanisch auf den Flügeln sowie dem schönen blauen Schriftzug No-Whaling - Greenpeace auf Englisch. Obwohl die Polizei den zweiten Flieger von Greenpeace zuerst am Starten während der Ansprache des Premierministers hindern konnte, starteten beide Flieger doch kurze Zeit später und glitten über die Bühne, die Wale-Botschaft und das neu eröffnete Walemuseum. Es war viel Presse vor Ort, KFEM und Greenpeace gaben ein halbes Dutzend Interviews. Während viele TV-Kamerateams Greenpeace und die KFEM in der Wale-Botschaft nach dem weiteren Vorgehen fragten, flog einer der Paraglider im Tiefflug über die Wale-Botschaft und zog damit alle Aufmerksamkeit auf sich...

Hallo aus der Wale-Botschaft in Korea !

In den letzten sieben Jahren habe ich schon viel mit Greenpeace erlebt, aber in Südkorea in unserer Wale-Botschaft auszuhelfen, ist für mich auf jeden Fall ein ganz besonderes Highlight, an das ich mich bestimmt lange errinnern werde !

Zu Greenpeace bin ich durch die Braunschweiger Greenpeace-Gruppe gekommen. Ich studiere in Braunschweig Geoökologie. In der Greenpeace-Gruppe zu arbeiten hat mir immer sehr viel Spass gemacht, und ich habe dort schnell festgestellt, wieviel mehr ich bei Greenpeace-Ständen oder Schulvorträgen lerne, als bei meinen Vorlesungen. Auch konnte ich mich bei diversen nationalen und internationalen Aktionen nützlich machen.

Was mich an Greenpeace immer schon sehr fasziniert hat, war mit einer weltweit agierenden Organisation arbeiten zu können. Wie in einer großen Familie bin ich während meines Studiums in Neuseeland wie in Australien bei Greenpeace unglaublich freundlich aufgenommen worden. Es war immer wieder erstaunlich zu sehen, wie Greenpeace es schafft, global so viel zu erreichen und interessant zu erfahren, wie wir in verschiedenen Ländern unterschiedlich - aber mit den gleichen Zielen - arbeiten. Auch jetzt ist es wieder unglaublich aufregend und spannend, mit Aktivisten aus der ganzen Welt hier in Südkorea zu arbeiten, zu leben und zu sehen, wie wir Einfluss nehmen können und es schaffen, tatsächlich ein bisschen die Welt zu verändern.

Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die für meine Vorstellung, dass ich mein Leben gerne damit verbringen möchte, unserer Umwelt zu helfen, oftmals etwas belächelt wurde. Da ist es für mich eine besondere Freude, mich hier zum Schutz der Wale einzusetzen und eine unserer wichtigsten und ältesten Kampagnen sehr intensiv kennenzulernen. Experten aus aller Welt treffen diesen Monat hier zusammen, um über die Zukunft dieser für das marine Ökosystem lebenswichtigen Tiere zu diskutieren. So bekomme ich hier besonders ein Gefühl dafür, wie wichtig es ist, bei internationalen Abkommen wie der Internationalen Walfangkonferenz als Greenpeace präsent zu sein. Ich hoffe dass ich nach Ende meines Studiums in diesem Sommer Greenpeace noch lange tatkräftig zur Seite stehen kann, in welchem Land auch immer ! Cornelia

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