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Korallen und Mangroven: Bewahren heißt profitieren

Korallenriffe gehören zu den Wundern der Ozeane. In Hunderten Jahren sind sie herangewachsen. Menschliches Tun vernichtet sie innerhalb von Jahrzehnten. Rund ein Drittel aller Riffe ist bereits unwiederbringlich verloren. Ebenso schnell verschwinden die Mangrovenwälder von der Erde. In einem Report vom Januar 2006 fordert das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) alle dafür Verantwortlichen zum Umdenken auf.

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Die UNEP-Studie ist am Dienstag in Paris vorgestellt worden. Dort, im Hauptquartier der UNESCO, hat die Dritte Weltkonferenz für Ozeane, Küsten und Inseln begonnen. Drei Tage lang werden 350 Delegierte aus aller Welt über Fortschritte und Hemmnisse beim Meeresschutz beraten. Die Konferenz ist aus dem Weltgipfel in Johannesburg 2002 hervorgegangen.

Ausbeutung und Verschmutzung, Wassererwärmung durch den Klimawandel, aggressive Fischereimethoden - Menschen zerstören die Ökosysteme der Ozeane auf vielerlei Art. Die Wissenschaftler der UNEP haben Zahlen und Daten zusammengetragen. Mit diesen Zahlen hoffen sie Regierungen und örtliche Behörden, Wirtschaft und Bürger zum Umdenken zu bewegen: Wertschätzen ist profitabler als Zerstören heißt die Devise.

So schätzen die Autoren der Studie den Wert gesunder Korallenriffe auf 100.000 bis 600.000 US-Dollar pro Quadratkilometer und Jahr. Dieselben Korallenriffe in Schutzgebieten zu erhalten, würde 775 US-Dollar pro Quadratkilometer kosten. Ähnlich sieht es bei den Mangrovenwäldern aus, den Kinderstuben zahlreicher Fischarten.

Von gesunden Korallenriffen und Mangrovenwäldern hängt die Existenz vieler Menschen ab. Die meisten der etwa 30 Millionen kleiner Fischer in Entwicklungsländern leben vom Fischreichtum der Korallenriffe. Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist der Tauchtourismus. Im nachhaltig bewirtschafteten Mangrovenwald der malaysischen Matang-Region werden jedes Jahr auf 400 Quadratkilometern 100 Millionen US-Dollar mit Fischerei erwirtschaftet.

Doch Korallenriffe und Mangrovenwälder sind nicht nur wichtige Einnahmequellen. Der Tsunami im Dezember 2004 im Indischen Ozean hat gezeigt, dass ihnen auch eine bedeutende Schutzfunktion für die Küsten zukommt. Mehr als 225.000 Menschen starben durch das Seebeben, mehr als drei Millionen verloren ihr Zuhause. Spätere Untersuchungen zeigten, dass Küstengebiete mit intakten Mangrovenwäldern und vorgelagerten Korallenriffen der Riesenwelle besser standgehalten hatten als vorgeschädigte Regionen.

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