Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Keine Ölbohrungen im Nationalpark Wattenmeer

Greenpeace hat am Montag mit seinem Aktionsschiff Beluga II gegen Pläne des Energieunternehmens RWE Dea AG protestiert, im Nationalpark Wattenmeer nach Öl zu bohren. Im niedersächsischen Teil des Wattenmeeres brachten Aktivisten an der Sandbank Hoher Knechtsand eine Boje mit der Aufschrift Keine Ölförderung im Wattenmeer! aus. Auf einem Banner zwischen den Masten der Beluga II prangte zudem die Forderung Weltnaturerbe Wattenmeer - jetzt!.

  • /

Greenpeace will die Boje als Mahnung an RWE Dea im Wattenmeer belassen. Das Wattenmeer ist in seiner ökologischen Bedeutung weltweit einzigartig. Aus diesem Grund genießt es heute schon den Schutz eines Nationalparks. Was RWE Dea treibt, ist reine Profitgier auf Kosten der Umwelt und der Menschen, sagt Jörg Feddern, Energieexperte von Greenpeace.

Der Konzern RWE Dea vermutet in der Nähe des Großen Knechtsands ein Ölvorkommen mit etwa 15 Millionen Tonnen Rohöl. Würden die Bohrungen genehmigt, wäre dies das zweite Förderprojekt im deutschen Wattenmeer. Denn im schleswig-holsteinischen Teil des Nationalparks wird bereits seit 1987 auf der Bohrinsel Mittelplate mit einer Ausnahmegenehmigung Öl gefördert.

Das mitteleuropäische Wattenmeer ist die größte zusammenhängende Wattenlandschaft der Erde. Seine Bedeutung als weltweit einzigartiges Ökosystem ist unbestritten. Der niedersächsische Teil des Nationalparks besteht seit 1986. Rund 61 Prozent der Fläche sind als Schutzzone 1 ausgewiesen und stellen damit den am strengsten geschützten Teil des Parks dar. Das vermutete Ölvorkommen in der Nähe des Großen Knechtsands liegt in einer solchen Region.

Es ist absurd: Ausgerechnet im größtem Nationalpark Deutschlands will RWE klimaschädliches Rohöl fördern. Angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel, der vor allem auf der Verbrennung von Öl beruht, sollte den Firmen die Erschließung neuer Ölfelder untersagt werden. Diese Investitionen müssen heute in den Ausbau der Erneuerbaren Energien fließen, so Jörg Feddern. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise der zügige Ausbau der Offshore-Windenergie in Nord- und Ostsee. Hierbei muss natürlich sichergestellt werden, dass die empfindlichen Ökosysteme der Meere keinen Schaden nehmen.

Neben einem Stopp der Ölförderung fordert Greenpeace, das Wattenmeer in das UNESCO-Weltnaturerbe aufzunehmen. Damit das gesamte deutsche Wattenmeer diese Auszeichnung erhält, müssen alle norddeutschen Bundesländer einen gemeinsamen Antrag stellen. Doch erst kürzlich hat der Hamburger Senat mit fadenscheinigen Argumenten seine Zustimmung verweigert. Dieser Naturraum darf nicht aus Wirtschaftsinteressen gefährdet oder gar zerstört werden. Daher muss das Wattenmeer auch den Status des Weltnaturerbes der UNESCO erhalten, sagt Jörg Feddern.

Mit dem Instrument des UNESCO-Weltnaturerbes sollen landschaftlich schöne oder wissenschaftlich interessante Gebiete bewahrt sowie die Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten geschützt werden. Nach einer Aufnahme in die Liste des Welterbes gewährt die UNESCO bei den Maßnahmen zum Erhalt finanzielle Unterstützung. Naturdenkmäler des Welterbes sind zum Beispiel so herausragende Landschaften wie das Great Barrier Reef, der Yellowstone-Nationalpark oder die Galapagos-Inseln.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Stellungnahme zum Raumordnungsplan für Nord- und Ostsee

Das Bundesinnenministerium hat unter Federführung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie den finalen Entwurf des Raumordnungsplans für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) jenseits des Küstenmeers der Nord- und Ostsee vorgelegt. Ziel soll die nachhaltige Nutzung sein, nicht zuletzt um den guten Umweltzustand der Meere zeitnah zu erreichen. Der Plan soll bis mindestens 2031 gelten. Die deutschen Umweltverbände kritisieren den Entwurf, hier die ausführliche Stellungnahme.

High Stakes

The environmental and social impacts of destructive fishing on the high seas of the Indian Ocean

Mehr zum Thema

Arktis bald ohne Eis ?

Für das Meereis in der Nordpolarregion ist keine Erholung in Sicht.

Der diesjährige Tiefstand: 4,81 Millionen Quadratkilometer.

Wachs im Wattenmeer?

Bei den Klumpen, die derzeit die Küste verschmutzen, handelt es sich vermutlich um Paraffine aus Tankwaschungen und Containerverlusten. Eine legale Praxis, die beendet werden muss.

Über die Verhältnisse

Deutschland hat seine Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Für alles, was ab jetzt konsumiert wird, zahlen kommende Generationen und andere Länder die Zeche.