Ölkatastrophe in Israel: Frühwarnsystem hätte die schlimmsten Folgen abwenden können

Katastrophe mit Ansage

Die größte Ölkatastrophe in der Geschichte Israels ist auch ein Versagen der Politik. Satellitenbilder vom Mittelmeer zeigen, dass die Gefahr rechtzeitig zu erkennen gewesen wäre.

  • /

Seit Tagen sind Tausende von Freiwilligen im Einsatz und säubern israelische Strände von Teerklumpen, die aus dem östlichen Mittelmeer angeschwemmt werden – mehr als 170 Kilometer Ufer sind betroffen, fast 40 Prozent der Küstenlinie des Landes. Auch im Libanon wurden die giftigen schwarzen Klumpen an die Strände gespült. Wer das Unglück verursacht hat, ist weiterhin unklar, fest steht nur, dass sich vor der Küste riesige Öltteppiche gebildet haben. Es handelt sich um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Israels; die Aufräumarbeiten werden Monate oder Jahre dauern. 

Dabei stellt sich die Frage: Hätte dieses Desaster vermieden werden können? Eine unabhängige Untersuchung durch Greenpeace beantwortet die Frage mit ja – und bringt die Politik in Erklärungsnot. Die Umweltschutzorganisation hat Satellitenbilder veröffentlicht, auf denen bereits rund eine Woche vor der Katastrophe an Israels Stränden großflächige Ölteppiche zu erkennen sind. Ein Frühwarnsystem, wie es Umweltschützende seit Jahren von der israelischen Regierung fordern, hätte die schlimmsten Folgen wohl verhindert.

Kein Notfallplan

“Israels Regierung versagt beim Schutz des Meeres und unserer Küsten”, sagt Dr. Jonathan Aikenbaum, Leiter von Greenpeace Israel. “Es gibt keine Überwachung, keinen Notfallplan und kein Engagement, um die Meeresumwelt zu schützen.” Um einer solchen Katastrophe vorzubeugen, wäre es notwendig, Schiffe und Küstengewässer satellitengestützt zu beobachten, Spezialschiffe zur Ölbekämpfung bereitzustellen oder Spezialausrüstung wie etwa Ölsperren vorzuhalten.

Um Licht in die Angelegenheit zu bringen, hat Greenpeace eine eigene Analyse von Satellitenbildern durchgeführt. Bilder des Satelliten Sentinel 1 zeigen am 11. Februar einen großen Ölteppich etwa 45 Kilometer vor der israelischen Küste, den das israelische Umweltministerium nicht rechtzeitig entdeckte. Am 12. Februar sind nur etwa 20 Kilometer vor der Küste zwei weitere riesige Ölteppiche von 11 bis 20 Kilometer Länge sichtbar. Ein weiterer großer Ölteppich befindet sich in Israels Hoheitsgewässern rund zehn Kilometer vor der Küste in der Nähe der Leviathan-Gasbohrinsel. Diese Bedrohungen hätten vom israelischen Bundesumweltministerium mit einem geeigneten Frühwarnsystem rechtzeitig entdeckt werden können – bevor es für wirkungsvolle Maßnahmen zu spät war. 

Satellitenaufnahme Israel

Satellitenbild vom 13. Februar 2021: Die Aufnahme zeigt vermutlich einen 26,4 km langen Ölteppich, etwa 10 km von Hadera in Nordisrael entfernt. (© Sentinel Hub)

Greenpeace untersucht Proben

Vor Ort hat Greenpeace Proben gesammelt, um über deren Zusammensetzung, Alter und Herkunft Aufschluss über die Ursache der Katastrophe zu gewinnen. Im Abgleich mit den Schiffsbewegungen im fraglichen Zeitraum lässt sich so vielleicht die Herkunft der Teerklumpen herausfinden. 

Dr. Jonathan Aikenbaum von Greenpeace Israel befürchtet, dass Unfälle dieser Art auch in Zukunft passieren, wenn sich die Haltung der israelischen Regierung zu fossilen Brennstoffen nicht grundlegend ändert. “Die Regierung fördert sogar neue Öl-Projekte, die das aktuelle Desaster übertreffen könnten”, so Aikenbaum. Dabei liegt die Alternative auf der Hand: “Solarenergie ist schon heute unsere billigste Stromquelle. Die israelischen Bürger haben eine bessere Zukunft verdient. Ein sonnenverwöhntes Land muss klug in die Zukunft investieren.”

Weiterführende Publikationen zum Thema

Stellungnahme zum Raumordnungsplan für Nord- und Ostsee

Das Bundesinnenministerium hat unter Federführung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie den finalen Entwurf des Raumordnungsplans für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) jenseits des Küstenmeers der Nord- und Ostsee vorgelegt. Ziel soll die nachhaltige Nutzung sein, nicht zuletzt um den guten Umweltzustand der Meere zeitnah zu erreichen. Der Plan soll bis mindestens 2031 gelten. Die deutschen Umweltverbände kritisieren den Entwurf, hier die ausführliche Stellungnahme.

High Stakes

The environmental and social impacts of destructive fishing on the high seas of the Indian Ocean

Mehr zum Thema

Falsch investiertes Geld

In Kiel soll ein Kriegsschiff exportiert werden, dass in Israel Gasfelder sichern soll. Gegen diesen Klimawahnsinn protestieren deutsche und israelische Greenpeace-Aktive.

Arktis verwundbar wie nie

Das Eis am Nordpol geht zurück. Industrie und Schifffahrt drängen nach. Doch damit steigt das Risiko für eine weitere Ölpest.

Deswegen sind wir wieder hier

Immer wieder protestiert Christian Bussau gegen Shell im Brent-Ölfeld. Der Protest gegen die Versenkung der Brent Spar war der größte Erfolg. Er erzählt, warum er heute da ist.