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Kanada will 325.000 Robben töten lassen

Die kanadische Regierung hat am Mittwoch die Quoten für die diesjährige kommerzielle Robbenjagd bekannt gegeben. Danach dürfen auf den Eisflächen vor der kanadischen Küste 325.000 Sattelrobben getötet werden. Die Quotenvorgaben für 2006 liegen in ähnlicher Höhe wie in den Jahren zuvor. Völlig unberücksichtigt blieben wissenschaftliche Einwände, dass die Robben wegen des Klimawandels kaum noch ausreichend dicke Eisflächen für die Geburt des Nachwuchses finden.

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Ungewöhnlich warme Witterung in diesem Winter hat dazu geführt, dass sich im Sankt-Lorenz-Golf und vor Neufundland eine der schwächsten Eisflächen seit einem halben Jahrhundert gebildet hat. Für die Robben stellt das Packeis die Geburts- und Kinderstube dar. Dort versorgen die erwachsenen Robben ihre Jungen, bis sie schwimmen und für sich selbst sorgen können. Anfang Februar wichen noch Hunderte von Kegelrobben, nachdem sie nicht genügend tragfähiges Packeis finden konnten, auf die Insel Pictou Island aus, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Doch schon wenige Tage später ertranken die Kleinen, als ein Wintersturm mit Hochwasser die Insel heimsuchte.

Die Quoten, die Ottawa dieses Jahr vorgegeben hat, sind eine Niederlage für die fundierten wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Interessen, erklärt die Greenpeace-Meeresbiologin Andrea Cederquist. Das Abschlachten in dieser Größenordnung kann durch keine biologische Tatsache begründet werden. Das brutale Töten und massenhafte Dezimieren des Robbenbestandes erhöht die Bedrohung für die Robben, die schon durch die Folgen des Klimawandels gefährdet sind.

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