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Japanischer Walfangskandal - Tag X für Junichi Sato und Toru Suzuki

Am 23. März kommt es in Japan zu einer entscheidenden Gerichtsanhörung für die Greenpeace-Mitarbeiter Junichi Sato und Toru Suzuki. Das Gericht wird entscheiden, in welchem Umfang Beweise für das Hauptverfahren gegen die beiden zugelassen werden. Das Verfahren ist eine Farce und offensichtlich politisch motiviert.

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Japan betreibt seit Jahren Walfang im großen Stil im Schutzgebiet der Südpolargewässer. Um diesen Bruch des Walfangmoratoriums zu legitimieren, beruft sich die japanische Regierung auf einen Passus im längst veralteten Text der Internationalen Walfangkonvention, der das Töten von Walen zu Forschungszwecken und das Vermarkten der dabei anfallenden Fleischmengen auf dem lokalen Markt erlaubt.

Jährlich schießen japanische Walfänger rund 1300 Großwale. Der Vertrieb des Fleisches läuft über Regierungsstellen, denn nur die Regierung darf dieses Fleisch verkaufen.

Im vergangenen Jahr legte Greenpeace nach monatelangen Recherchen stichhaltige Beweise dafür vor, dass die Besatzung der Fangflotte seit Jahren tonnenweise Walfleisch illegal an Land schmuggelt. Der Verkauf bringt riesige Gewinne. Alle Verantwortlichen wissen davon und billigen es.

Im Mai 2008 stellten die Greenpeacer Junichi Sato und Toru Suzuki einen kleinen Teil des geschmuggelten Walfleisches sicher. Sie übergaben den Karton als Teil einer umfassenden Beweiskette der japanischen Staatsanwaltschaft. Doch diese ließ das Ermittlungsverfahren fallen und klagte stattdessen die Greenpeace-Aktivisten wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs an. Sie hatten das Walfleisch im Zentrallager eines Paketdienstes sichergestellt.

Die Firma Kyodo Senpaku, die den Walfang im Regierungsauftrag durchführt und die Walfangflotte betreibt, behauptete, sie verschenke das Fleisch ganz offiziell an die Besatzungsmitglieder.

In diesem Fall muss das Fleisch allerdings erst offiziell von der japanischen Regierung gekauft werden und darüber muss es entsprechende Kaufverträge geben. Da die Offenlegung der Hintergründe des japanischen Walfangs im öffentlichen Interesse liegt, hat Greenpeace Japan eine Kopie dieser Kaufverträge angefordert.

Die Kopie wurde auch tatsächlich bereitgestellt - nahezu vollkommen geschwärzt. Das absurde Dokument liefert keinerlei Informationen. Die Walfangfirma hätte sich mit den Kaufverträgen entlasten können, stattdessen erhärtet sich der Schmuggelverdacht weiter.

Am Montag, dem 23. März stehen die japanischen Greenpeace-Kollegen wieder vor Gericht. Sie müssen sich unter anderem wegen Diebstahls verantworten. Seit Junichi Sato und Toru Suzuki im vergangenen Jahr zunächst verhaftet und dann unter strengen Hausarrest gestellt wurden, haben sich weltweit Greenpeacer und tausende Unterstützer für sie eingesetzt. Zuletzt am vergangenen Mittwoch, als Greenpeace-Aktivisten mit der Göttin Justitia vor der japanischen Botschaft Gerechtigkeit einforderten.

Auf den Prüfstand gehört das Töten der Tiere in japanischem Regierungsauftrag - und nicht der mutige Einsatz für den Schutz der Wale.

Denn das ist der Skandal, von dem das Verfahren ablenken soll: Japan ignoriert internationale Schutzabkommen; der japanische Walfang ist kommerziell; der angeblich wissenschaftliche Zweck des Tötens ist nichts als ein fadenscheiniger Vorwand.

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