Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Japanische Walfangflotte sticht in See

Am Mittwoch ist die japanische Walfangflotte ausgelaufen. Die sechs Schiffe sind auf dem Weg in das Walschutzgebiet im Südpolarmeer. Dort wird das Walgemetzel des Jahres eröffnet. 1000 der friedlichen Meeressäuger sollen während der als Forschungsreise getarnten Fahrt getötet werden, um hinterher tiefgekühlt in japanischen Lagerhallen zu landen.

  • /

Offiziell wird der Raubzug in Japan als Forschungsreise bezeichnet, seit die Internationale Walfangkomission 1986 den kommerziellen Walfang weltweit verboten hat. So werden in diesem Jahr etwa 935 Zwergwale und zehn der stark gefährdeten Finnwale ihr Leben lassen - alles im Dienste der Wissenschaft, versteht sich. Das Walfleisch, das von den Jägern im März nach Japan mitgebracht wird, ist aber für den Verkauf bestimmt.

Das Walfangprogramm als Forschung zu bezeichnen, ist eine Beleidigung für die Wissenschaft und die japanische Bevölkerung. Das Programm in der Antarktis stellt einen Missbrauch an der Grundkonvention der Internationalen Walfangkomission dar, das hat der Wissenschaftsausschuss der IWC letztes Jahr belegt, erklärt Stefanie Werner, Meeresexpertin bei Greenpeace. Dieses Forschungsprogramm ist auf die Initiative einiger weniger japanischer Politiker und Bürokraten in der unzeitgemäßesten Industrie Japans zurückzuführen. Sie kämpfen gegen ihren eigenen Bedeutungsverlust an. Und das auf Kosten der japanischen Steuerzahler.

Bereits im letzten Jahr schickten die Japaner eine Flotte auf Forschungsreise in die Schutzgebiete des südlichen Polarmeeres. Sie wollten herausfinden, ob es möglich ist, mehr als 1000 Wale zu fangen. Vor der Internationalen Walfangkommission bezeichneten die Japaner ihre Mission als vollen Erfolg.

Wenn die letzte Studie so erfolgreich war, warum brauchen sie dann in diesem Jahr eine weitere?, fragt Werner und macht so die Absurdität der Argumentation klar. Dieses Programm ist eine faule Ausrede, um den kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen, obwohl es auf dem japanischen Markt keine entsprechende Nachfrage gibt. Die Isländer versuchten kürzlich, ihr Walfleisch nach Japan zu exportieren. Vergeblich. Der japanische Botschafter musste notgedrungen zugeben, dass in Japan Berge von Walfleisch auf Halde liegen. Das Fleisch ist nicht verkäuflich.

Eine Meinungsumfrage des Nippon Research Centre, einer Tochterfirma des Gallup-Konzerns, ergab im Jumi 2006 in Japan, dass 95 Prozent der Japaner nie oder nur extrem selten Walfleisch essen. Mehr als 70 Prozent sprachen sich gegen den Walfang im südlichen Ozean aus. Greenpeace fordert die japanische Regierung daher auf, sich der Mehrheit der japanischen Bürger und den internationalen Protesten zu beugen und den Raubzug sofort zu stoppen!

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schwarzer Tag fürs ewige Weiß

Wirtschaftliche Interessen wogen schwerer als die Gesundheit der Ozeane: Die Antarktisschutzkommission CCAMLR beschließt vorerst kein Schutzgebiet im Weddellmeer.

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.