Japan jagt Wale im Walschutzgebiet

Fleischfetzen von 124 Walen, die wir heute getötet haben, liegen noch immer an Deck. Kaum einer von ihnen war ausgewachsen, kaltblütig wird alles abgeknallt, was uns vor die Harpune kommt. Auszug aus dem Brief eines deutschen Seemanns 1954.
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Im Südpolarmeer rund um die Antarktis haben Wale ideale Lebensbedingungen. Im antarktischen Sommer geht die Sonne wochenlang nicht unter. Dann gedeiht das Plankton prächtig im klaren, kalten Meerwasser. Millionen von Krill-Krebschen bieten den Bartenwalen reiche Nahrung. Blau-, Finn-, Buckel- und Minkewale, aber auch Südkaper filtern mit ihren riesigen, aber feinen Hornkämmen im Maul das Wasser und kommen so an die eiweißreiche Nahrung. Die Männchen der Pottwale, die hier zu finden sind, fressen sich an Fisch und Tintenfischen satt, Schwertwale auch an Robben und Pinguinen.

    Ökologische Katastrophe

    Höhepunkte des Walfangs

    Moratorium mit Hintertür

    Ein Schutzgebiet am Südpol

    Das fordert Greenpeace

Seit 1994 ist das Südpolarmeer ein Schutzgebiet für Wale. Leider sieht die japanische Regierung das anders. Sie versteht das Schutzgebiet eher als Jagdgebiet und ignoriert damit die Beschlüsse der IWC und des internationalen Seerechts (UNCLOS). Regelmäßig Anfang November startet die japanische Walfangflotte von der Südwestküste Japans mit Kurs auf das Walschutzgebiet um die Antarktis.

Ökologische Katastrophe

Im Februar 2007 trieb das japanische Walfangfabrikschiff nach einem Brand manövrierunfähig mitten im Eismeer. Hätte das Eis den dünnen Rumpf leckgeschlagen, hätte es eine große Umweltkatastrophe gegeben. Allerdings ist der gesamte kommerzielle Walfang eine Ökokatastrophe.

Am Walfang waren beinahe alle Seefahrernationen beteiligt: Europäer und Russen, Japaner und Koreaner, Nord- und Südamerikaner. Walfang spielte zwar bei vielen Küstenvölkern weltweit seit jeher eine Rolle. Doch bis ins 20. Jahrhundert war das Südpolarmeer für kleine Boote oder Segelschiffe unerreichbar. Die Wale hatten dort ihre Ruhe.

1864 erfand der Norweger Svend Foyn die Sprengharpune. Und um die Jahrhundertwende begann die Dampfschifffahrt. Mit neuen Schiffen und neuen Waffen drangen die Walfänger in immer entlegenere Gegenden vor.

1904/05 wurde die erste Walfangstation auf der Insel Südgeorgien in der Antarktis eröffnet, 1912/13 waren es bereits sechs. Ab Mitte der Zwanzigerjahre begleiteten Fabrikschiffe die Jagdschiffe, schwimmende Tranküchen, auf denen der Wal sofort verarbeitet wurde. 1930 gab es neben den Landstationen 41 Fabrikschiffe und 238 Harpunenboote. Ende der Dreißigerjahre waren darunter sieben Fabrikschiffe für deutsche Rechnung, die mit Unterstützung von 56 Harpunenbooten zwischen 1936 und 1939 über 17.000 Wale in der Antarktis schlachteten.

Höhepunkte des Walfangs

Seinen traurigen Höhepunkt erreichte der Walfang in der Antarktis 1937/1938 mit 46.039 getöteten Tieren. Das entsprach 84 Prozent des gesamten Weltfangs.

Im selben Jahr gab es Bemühungen, den Walfang zu regeln und zu ordnen, mit dem Hintergedanken, die großen Meeressäuger auf lange Sicht als Lieferanten für Öl und Speck oder biegsames Fischbein zu erhalten. In London wurde ein internationales Walfang-Abkommen geschlossen und 1946 in Washington ersetzt durch ein neues Internationales Abkommen zur Regelung des Walfangs. 14 Fangnationen traten bei und bildeten die Internationale Walfangkommission IWC.

Die erste Beschränkungsmaßnahme der IWC war die Festlegung eines Kontingents von 16.000 Blauwaleinheiten (BWU) für die Jagdsaison im Südpolarmeer von Dezember bis April. Eine Blauwaleinheit war eine Gewichtseinheit, sie entsprach einem Blauwal, 2 Finnwalen, 2,5 Buckelwalen oder sechs Seiwalen. Leider trieb diese Maßnahme das Schlachten noch an, weil jede Nation versuchte, ihren Anteil an der Gesamtmenge der antarktischen BWU zu erhöhen.

Dabei waren die Bestände bereits stark dezimiert. Beispielsweise war in der Saison 1962/63 der Bestand der Blauwale in der Antarktis auf eine Größe zwischen 930 und 2.790 Tiere geschrumpft, während in den Dreißigerjahren noch über 150.000 Tiere lebten. 1963 forderte eine Gruppe von drei IWC-Wissenschaftlern, das System der Blauwaleinheiten durch Fangbeschränkungen für einzelne Arten zu ersetzen. Doch erst 1972 folgte die IWC diesem Vorschlag.

Insgesamt wurden ab 1904 etwa 1,5 Millionen Wale im Südpolarmeer geschossen. Nach Schätzungen der Meeresbiologen der IWC ist die Zahl der Wale auf ein Zehntel der ursprünglichen Bestände gefallen. Von den ehemals 200.000 Blauwalen gibt es heute um die Antarktis nur noch wenige hundert und weltweit nur noch wenige tausend.

Moratorium mit Hintertür

Greenpeace und viele andere Umweltgruppen haben lange für ein Verbot des Walfangs gekämpft. Immer wieder rüttelten sie die Öffentlichkeit mit erschütternden Bildern vom Schlachten der friedlichen Riesen auf. 1982 wurde endlich mit einer Dreiviertelmehrheit ein unbefristetes Verbot des kommerziellen Walfanges beschlossen, welches ab 1986 weltweit in Kraft trat.

Doch Japan deklariert seinen Walfang in der Antarktis als wissenschaftlich. Dies ist offensichtlich nur ein Vorwand für kommerzielle Interessen. Selbst die IWC verurteilt diesen Walfang bei jeder Sitzung erneut und fordert Japan dazu auf, ihn einzustellen. Japan ignoriert diese Beschlüsse und verletzt damit auch das internationale Seerecht, das eindeutig eine Zusammenarbeit der walfangenden Nationen mit der IWC verlangt.

Auch das Argument Japans einer jahrhundertealten Walfangtradition trifft dort nicht zu: Die Geschichte des japanischen Walfangs in dieser Region ist noch jung. Erst 1934 begann die Jagd im ewigen Eis. Die japanischen Regierungen waren niemals bereit, sich tatsächlich für den Schutz der Wale einzusetzen. Statt dessen subventionieren sie den Walfang mit Millionenbeträgen.

Ein Schutzgebiet am Südpol

1994 wurde das Südpolarmeer zum Schutzgebiet für Wale erklärt. Die Wale sollten in ihren Paarungs-, Aufzucht- und Nahrungsgebieten geschützt werden. Die Region ist relativ ungestört und bietet den Großwalen durch das reiche Angebot an Krill viel Nahrung. Da die Wale auf der Suche nach Nahrung weite Wege auf sich nehmen, muss dieses Schutzgebiet sämtliche Gewässer um die Antarktis umfassen.

Seitdem versucht Japan, bei den Tagungen der IWC das antarktische Walschutzgebiet in Frage zu stellen. Die IWC verabschiedete im Gegenzug Resolutionen, in denen Japan unmissverständlich dazu aufgefordert wurde, endlich das internationale Walschutzgebiet zu respektieren. Dennoch läuft Japans Walfangflotte Jahr für Jahr weiter aus, um Wale zu schießen, die eigentlich doppelt geschützt sind: durch das weltweite Moratorium und durch das antarktische Walschutzgebiet.

Das fordert Greenpeace:

  • Japan muss sich an die Beschlüsse der IWC halten und den Walfang einstellen.
  • Das internationale Handelsverbot für Walprodukte muss bleiben.
  • Weitere Wal- und Meeresschutzgebiete müssen geschaffen werden, damit die Meeressäuger und ihr Lebensraum in allen Ozeanen erhalten werden.

Stand: November 2007

V.i.S.d.P. Thilo Maack

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