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IWC: Viele Probleme, wenig Lösungen

Seit 1946 kümmert sich die Internationale Walfang Kommission (IWC) um die Sicherung der Walbestände und deren Schutz vor übermäßiger Jagd. Zwar hat sie große Erfolge im Walschutz errungen - wie zum Beispiel das Verbot des kommerziellen Walfangs auf Großwale (1982).
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Aber heute, da Wale längst nicht mehr allein vom Walfang bedroht werden, drohen die jährlichen Tagungen der Kommission zur Farce zu werden. Greenpeace fordert, dass die IWC ihren Auftrag endlich ernst nimmt und bei ihrer diesjährigen Konferenz in Berlin wirksame Maßnahmen zum Schutz aller Walarten beschließt.

Wale massiv bedroht

Jedes Jahr fallen mehrere Hunderttausend Wale den Folgen menschlicher Aktivitäten wie Fischerei, Walfang und massiver Meeresverschmutzung zum Opfer. Zudem sind die Meeressäuger durch Lärm, Klimaerwärmung, Zerstörung der Ozonschicht und die industrielle Ausbeutung vieler Meeresgebiete, zum Beispiel durch die Öl- und Gasförderung, bedroht.

Gefährdet sind aber nicht nur die von der IWC berücksichtigten Großwalarten, sondern alle der weltweit rund 80 Walarten. Die Mitglieder der IWC müssen sich deshalb stärker für den Schutz der Kleinwale engagieren. Weiter über Anträge zur Lockerung des Walfangs zu streiten - und den so genannten wissenschaftlichen Walfang, der ohnehin nur ein Deckmantel für den kommerziellen Fang darstellt - ist reine Zeitverschwendung. Die IWC muss sich endlich um alle Probleme und alle Wale kümmern.

Kleinwale endlich wirkungsvoll schützen

Auch in den Meeren vor unserer Haustür sind die Wale nicht sicher. Der rund 1,5 Meter lange Schweinswal, die einzige in Deutschland heimische Walart, steht inzwischen auf der roten Liste des Weltnaturschutz-Dachverbandes. Tausende dieser Kleinwale geraten jährlich als Beifang in Treib- und Stellnetze und müssen quallvoll ertrinken. Greenpeace fordert walschonende Fischereimethoden. In der Ostsee sollten Langleinen und Fischkörbe statt Treib- und Stellnetze verwendet werden. In besonders sensiblen Gebieten und Jahreszeiten muss die Fischerei notfalls ausgesetzt werden, um die bedrohten Schweinswale zu schützen.

Auch im Atlantik verenden unzählige Delfine. Allein an der französischen und englischen Küste werden jedes Frühjahr Hunderte toter Tiere angeschwemmt. Sie sind Opfer der Hochsee-Schleppnetze von europäischen Fischtrawlern. Im tropischen Ostpazifik verenden Tausende Delfine durch die Ringwadenfischerei auf Thunfisch.

Wale als Sondermüll

Nicht allein die Jagd bedroht die sanften Riesen: Schwermetalle und Dauergifte aus Industrie, Mülldeponien, Tankerunfällen, Luftverschmutzung und chemische Dünger verschmutzen die Meere zunehmend. Tiere am Ende der Nahrungskette, wie etwa die Wale, sind den gefährlichen Dauergiften am stärksten ausgesetzt. Gerade in der fettreichen Speckschicht der Meeressäuger reichern sich die langlebigen Gifte an. In Norwegen und Japan gilt Walfleisch und -speck noch immer als Delikatesse, ein sehr zweifelhafter Genuss. 1999 untersuchte Greenpeace gestrandete Pottwale auf ihren Schadstoffgehalt. Die nachgewiesenen Giftkonzentrationen waren so hoch, dass die Tierkadaver als Sondermüll entsorgt werden mussten.

Die Jagd auf große und kleine Wale

Trotz des geltenden kommerziellen Fangverbotes gehen norwegische und japanische Fangschiffe weiter auf Waljagd. Pro Jahr töten norwegische Fischer rund 700 Minkewale. Japanische Walfänger gehen sogar im antarktischen Wal-Schutzgebiet auf Beutezug und jagen zudem im Nordpazifik die extrem bedrohten Sei- sowie Pott- und Brydewale. Japanische Fischer sind auch verantwortlich für das Abschlachten von rund 20.000 Kleinwalen pro Jahr.

Die Gefahr wächst, dass sich auch andere Länder durch die Unverfrorenheit Norwegens und Japans motiviert fühlen, nun ihrerseits das IWC-Walfangverbot zu missachten. Im April 2003 hat Island die Wiederaufnahme des Walfangs im Nordatlantik angekündigt - unter dem Vorwand, angeblich wissenschaftliche Forschung betreiben zu wollen. Hunderte von Pilotwalen sterben bereits jährlich vor den Färöer-Inseln. Und die IWC sieht tatenlos zu, Sicherung und Schutz der Walbestände bleiben Lippenbekenntnisse.

Lärm leitet Wale in die Irre

Unterwasserlärm stellt eine zusätzliche akute Bedrohung für Wale dar. Er wird verursacht durch Schiffsschrauben, Ölbohrungen, seismische und ozeanografische Untersuchungen sowie eine neuartige Sonartechnik der US-Marine. Ortungssysteme für superleise U-Boote erreichen eine Stärke von über 200 Dezibel. Der Lärm im Ozean stört die Orientierung der Meeressäuger und ist höchstwahrscheinlich die Ursache für mehrere Massenstrandungen in den letzten Jahren.

So kam es im März 2000 nach intensiven Sonar-Tests der US-Navy zu einer Massenstrandung auf den Bahamas. Bei drei von vier untersuchten Tieren wurden u.a. Blutungen im Hirn und Innenohr festgestellt. Auch die regelmäßig wiederkehrenden Pottwalstrandungen in der Nordsee sind möglicherweise auf eine gestörte Orientierung durch den Lärm von Öl- und Gasbohrfeldern zurückzuführen. Wale sind auf akustische Kommunikation untereinander angewiesen. Jede Störung kann sich negativ auf ihr Beute-, Fortpflanzungs- und Wanderungsverhalten auswirken.

IWC-Tagung in Berlin

Zentrales Ziel von Greenpeace ist es, dass aus der Walfang-Kommission endlich eine Walschutz-Kommission wird. Dazu müssen neben Walfang auch die anderen drohenden Gefahren für die weltweiten Walbestände auf der IWC-Konferenz in Berlin diskutiert werden, etwa Unterwasserlärm. Der Schutz der Wale muss ausgeweitet werden. Das heißt insbesondere: Auch für das Wohl der Kleinwale muss sich die IWC einsetzen.

Greenpeace fordert:

Die Internationale Walfang Kommission muss endlich von einer Walfang- zu einer Walschutz-Kommission werden!

Sie muss ihre Zuständigkeit nicht nur bei den Großwalen, sondern auch bei den Kleinwalen sehen und in Zukunft alle Bedrohungen, denen Wale und Delfine zunehmend ausgesetzt sind, bearbeiten.

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