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Island und der Walfang: Mal hü, mal hott

Island übt die Kehrtwende: Ende August hieß es, der kommerzielle Walfang werde ausgesetzt, da sich keine Abnehmer für das Fleisch fänden. Neue Fangquoten würden nicht festgesetzt. Jetzt liegt das Walfangschiff Halldor Sigurdsson bereit, doch noch zur Jagd auszulaufen. Die Jäger dürfen 23 Minkewale töten, um die verfehlte Abschussquote der letzten Saison zu erfüllen.

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Der Sinneswandel des isländischen Fischereiministers dürfte auf massive Lobbyarbeit zurückgehen. Zeitgleich mit seinem neuen Beschluss erschien ein Artikel des Verbands der Minkewalfänger. Sie klagten, womöglich leer auszugehen. Während des Sommers habe das Fleisch der Minkewale sich sehr gut verkauft.

Nun dürfen sie wieder. In der Saison 2006/2007 war den Jägern der Abschuss von 30 Minkewalen erlaubt, doch nur sieben Tiere wurden erlegt. Bis zum 1. November 2007 darf nachträglich der große Rest getötet werden.

Island hat 2006 nach vielen Jahren Pause den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen und damit weltweit Protest hervorgerufen. Die Entscheidung ist besonders unsinnig, weil es inzwischen eine florierende Walbeobachtungsbranche gibt. Lebende Wale bringen den Isländern weitaus mehr ein als tote.

Greenpeace hofft auf eine weitere und endgültige Kehrtwende - zurück zur ökologischen und ökonomischen Vernunft, sagt Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. Auch wenn die Walfänger es nicht wahrhaben wollen - der Traum vom großen Geschäft mit dem Walfang ist ausgeträumt. Für Walfleisch gibt es heute keinen Markt mehr. Das sinnlose Töten muss sofort beendet werden.

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