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Island jagt wieder Wale

Harsche Kritik am isländischen Vorhaben, den kommerziellen Walfang wieder aufzunehmen, haben neben Greenpeace und weiteren Umweltschutzorganisationen inzwischen auch Regierungen geübt. Politisch stellt sich Island ins Abseits mit dem Versuch, internationale Schutzabkommen auszuhöhlen, sagt Greenpeace Wal-Expertin Stefanie Werner.

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Auch Islands Antrag, die stark gefährdeten Finnwale beim Washingtoner Artenschutzabkommen CITES in ihrer Schutzwürdigkeit herabzusetzen und der angekündigte Export von Zwergwalfleisch nach Dänemark, ist gegen den Willen der meisten Länder - sie wollen Wale schützen.

Die deutsche Bundesregierung bezeichnet die Ankündigung des isländischen Fischereiministers vom Dienstag als inakzeptabel. Die Regierung Australiens spricht von einer Verhöhnung und Neuseeland bedauert die Entscheidung aus Reykjavik.

Die Ignoranz der isländischen Regierung ist völlig unverständlich. Angesichts der vielfältigen Bedrohung der Wale jetzt auch noch die kommerzielle Jagd wiederaufzunehmen, ist politisch und wirtschaftlich einfach dumm und gefährdet den guten Ruf Islands, sagt Stefanie Werner.

Isländer ignorieren norwegische Walfangerfahrung

Die norwegischen Walfänger mussten die diesjährige Fangsaison abbrechen. Insgesamt verarbeiteten sie nur halb so viel Walfleisch wie im Jahr zuvor. Besonders befremdlich und unverständlich dabei: Oslo hatte die Fangquote für dieses Jahr noch um fast 30 Prozent auf 1.052 Minkewale erhöht.

Die geringe Ausnutzung der Quote wurde in der norwegischen Presse damit erklärt, dass die Qualität des Walfleisches schlecht, die Nachfrage gering und die Jagd wegen hoher Treibstoffkosten und geringer Erlöse zu teuer sei.

Wirtschaftlich schneiden sich die Isländer mit der Entscheidung ins eigene Fleisch, erklärt Werner. Das Land selbst bietet keinen Markt für Walfleisch mehr. Dagegen ist es den Isländern in den vergangenen Jahren gelungen, die ökonomisch weitaus profitablere Walbeobachtungsbranche aufzubauen. Die vom Tourismus abhängige Branche muss jetzt massive Einnahmerückgänge befürchten.

Wale: gejagt, vergiftet, aber sollen immer mehr Fisch fressen?

Allein im vergangenen Jahrhundert wurden rund 2,7 Millionen Wale durch Walfang erlegt. Heutzutage sind die Tiere zusätzlich einer weit größeren Bedrohung ausgesetzt: Die zunehmende Verschmutzung und Überfischung der Meere. Diese und weitere Gefahren haben es verhindert, dass sich die meisten Walarten bis heute erholt haben.

Trotz allem, Island greift als Begründung für seinen Schritt auf die falsche Argumentation zurück, die wachsenden Zwergwal-Populationen im Nordatlantik bedrohe zunehmend die Fischbestände. Unter den Experten gilt allerdings eine ganz andere Spezies als Haupttatverdächtiger für die leeren Meere: Der Mensch, der die Weltmeere im industriellen Maßstab überfischt. Das bestätigt auch die Welternährungsorganisation FAO.

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Stellungnahme zum Raumordnungsplan für Nord- und Ostsee

Das Bundesinnenministerium hat unter Federführung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie den finalen Entwurf des Raumordnungsplans für die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) jenseits des Küstenmeers der Nord- und Ostsee vorgelegt. Ziel soll die nachhaltige Nutzung sein, nicht zuletzt um den guten Umweltzustand der Meere zeitnah zu erreichen. Der Plan soll bis mindestens 2031 gelten. Die deutschen Umweltverbände kritisieren den Entwurf, hier die ausführliche Stellungnahme.

High Stakes

The environmental and social impacts of destructive fishing on the high seas of the Indian Ocean

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