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Weihnachten in der Kadetrinne

Der Tag heute, der 24. Dezember, fing mit einer Sturmwarnung an. Beim Deutschen Wetterdienst war zu lesen: Westliche Ostsee Ost bis Südost um acht später abnehmend sechs bis sieben, Frost minus zwei Grad, See 2,5 bis drei Meter. Meine gefühlte Wetterprognose lautet: Ost bis Südost um zwölf, Frost minus 20 Grad und See irgendwas bei zehn Meter.

Auch über die Weihnachtstage befindet sich die Sunthorice mit Greenpeace-Aktivisten in der Kadetrinne. Greenpeacer überwachen dort mit Hilfe von Lotsen und der Schiffsmannschaft den Schiffsverkehr. Die Kadetrinne ist eine der meist befahrenen Schiffsstraßen Europas und Geisterfahrer gefährden den Schiffsverkehr dort ganz erheblich. Die Kadetrinne ist tatsächlich so intensiv befahren, dass man auch in der Nacht das Gefühl hat, man befinde sich auf einer Großstadt-Autobahn. Überall sind Positionslichter zu sehen.

Wegen des herrschenden Sturmes wurde die Sunthorice mitsamt ihrer zwei Anker über Grund versetzt (mit rund 1,5 Kilometern in der Stunde) und drohte an ein Seekabel zu gelangen. Der Kapitän entschied deswegen, die Anker zu lichten und einen neuen Platz für das Schiff zu suchen. Das hieß alles musste besonders seefest eingepackt, verstaut, und weggeschlossen werden.

Christian kümmerte sich gerade um die vereisten Schlauchboote, als unsere Wache wieder einen Falschfahrer in der Schifffahrtsstraße ausmachte. Renault aus Frankreich, der sich in Bayern niedergelassen hat, behält das Schiff während der ganzen Zeit mit dem Fernglas im Auge. Thore steuert die Sunthorice und hält das alte Feuerschiff präzise auf Kurs zu seinem neuen Platz.

Falschfahrer gibt es viele in der Kadetrinne. Bereits am Sonntag war gegen zwölf Uhr ein chinesisches Schiff aufgefallen, das falsch in die Kadetrinne einfuhr. Die De Ping Hai lief ohne Lotsen auf der falschen Seite in das so genannte Verkehrstrennungsgebiet. Über Funk bekommen wir mit, dass sie mehrfach von einer überholenden Fähre, der Skane, auf UKW 16 angesprochen wurde. Reaktion war gleich Null. Mit einem Schlauchboot versuchten Greenpeace-Aktivisten Kontakt aufzunehmen und das Schiff auf den richtigen Kurs zu bringen. Aber die Reaktion von Brücke und Crew war unverständlich, es gab massive Sprachschwierigkeiten.

Auch ein von der Fähre informiertes Bundesgrenzschutz-Schiff versuchte den Falschfahrer auf UKW 16, 69, 10 anzusprechen. Aber auch hier war eine Verständigung nicht möglich und wieder bliebt eine eindeutige Reaktion aus. Ein herbeigerufener Hubschrauber überflog daraufhin den Geisterfahrer besonders niedrig und forderte Kontakt mit dem BGS-Kreuzer aufzunehmen. Erst nach langer Zeit und Strecke - bei Tonne 71 - lief das Schiff auf die richtige Seite des Verkehrsweges.

Mittlerweile sind es Windstärke neun in der Kadetrinne. Verena und Birthe sitzen unter Deck und Birthe entdeckt ihre Schwäche für Weihnachtsbaumschmuck aus Bannerstoff. Heute Abend soll es auch auf Sunthorice einen geschmückten Weihnachtsbaum geben. Vorher muss aber noch Christian verarztet werden. Er hat sich einen Splitter in die Hand gehauen und als Schlauchbootfahrer kann er keinen Spieß, wie er als Österreicher sagt, im Finger gebrauchen.

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