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Warum ruft Greenpeace nicht zum BP-Boykott auf?

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko führt auch hierzulande zu Entsetzen und berechtigter Empörung. Viele Menschen fragen sich, was sie persönlich tun können, um Druck auf die verantwortlichen Konzerne und auf die Politik auszuüben. Ein BP-Boykott auf breiter Basis scheint naheliegend. Warum ruft Greenpeace trotzdem nicht dazu auf?

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Jedes Unternehmen, das Öl fördert, jede Regierung, die entsprechende Genehmigungen erteilt, nimmt umweltzerstörende Begleiterscheinungen bewusst in Kauf. Diese Begleiterscheinungen sind massiv und oft mit erheblichen Eingriffen in das Sozialgefüge des jeweiligen Landes verbunden - ob es um Förderung, Transport oder Verarbeitung des Öls geht.

Während BP im Golf von Mexiko versagt, ist Shell weiter am Ölsandabbau in Kanada beteiligt - einem massiven Umweltverbrechen. Shell hält auch an Plänen zur Ölbohrung in der Arktis fest. In den arktischen Gewässern von Alaska ist heute noch, 21 Jahre nach der Havarie, frisches Öl aus der Exxon Valdez im Meer zu finden. Damals war ExxonMobile (Esso) verantwortlich und hat bis heute nichts dazugelernt. Es gibt unzählige Beispiele für das Versagen der Ölindustrie.

Am Ende der Kette steht der Verbrauch. Auch wer sein Auto betankt, trägt seinen Teil der Verantwortung. Es gibt keinen sauberen Treibstoff. Welche Konsequenzen er daraus ziehen mag, ob er das Auto zum Beispiel häufiger einmal stehen lässt, entscheidet der Autofahrer selbst.

Greenpeace informiert die Menschen über Umweltverschmutzungen, Gefährdungen und Lösungsansätze. Wir rufen sie zum Handeln und zu unserer Unterstützung auf. Die bewusste persönliche Entscheidung jedes Einzelnen macht einen Protest stärker und erhöht den Druck auf Politik und Wirtschaft. Im Falle des Erdöls gilt: Das nachhaltigste Mittel gegen die Risiken ist die größtmögliche Einschränkung des Verbrauchs.

Übrigens: Greenpeace hat auch 1995, während der Brent Spar-Kampagne gegen Shell, nicht zum Boykott aufgerufen. Dieser Impuls ging von der Nordelbischen Kirche aus und wurde von Politikern unter anderem der CDU gestützt.

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