Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Vier Jahre nach der Prestige bleibt das Risiko hoch

Letzten Sonntag vor vier Jahren sank vor der galicischen Küste der Öltanker Prestige, beladen mit 70.000 Tonnen giftigem Schweröl. 40.000 Tonnen des Öls traten aus und verseuchen bis heute die Küstenstreifen der Region. Angeblich wurde alles verbliebene Öl aus dem in fast 4.000 Metern Tiefe liegenden Wrack herausgepumpt und die Öffnungen versiegelt. Trotzdem tauchten in den letzten Wochen erneut Ölflecken an der Meeresoberfläche auf. Am Dienstag bestätigten Analysen: Sie stammen aus der Prestige.

  • /

Wissenschaftler des Spanischen Wissenschaftsrats fordern bereits eine erneute Inspektion der Trümmer des auseinandergebrochenen Tankers. Sie wollen herausfinden, was da leckt und warum. Ihre Befürchtung: Das Abpumpen des Restöls war unvollständig und die Tanks rosten langsam durch.

Genau dies hatten vier spanische und ein amerikanischer Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren in der Fachzeitschrift Scientia Marina für das Jahr 2006 vorausgesagt. In der gleichen Arbeit kamen die Wissenschaftler zu der Vermutung, dass noch zwischen 16.000 und 23.000 Tonnen Schweröl in den Tanks am Boden des Ozeans liegen. Die Regierung von José Luis Rodriguez Zapatero hatte die Abpumparbeiten vor ihrem Abschluss einstellen und das Wrack notdürftig versiegeln lassen. Wissenschaftler und galicische Politiker rechnen mit verstärkter Korrosion im Laufe der Zeit und einer weiteren Ölpest, sollten sich die Schweißnähte der Tanks vollständig auflösen.

Unfallrisiko bleibt hoch

Während die Katastrophe im Fall der Prestige noch nicht ausgestanden scheint, kann sich ein ähnlicher Fall täglich wiederholen. Noch immer führt entlang der Costa da Morte, der galicischen Todesküste, eine der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. 14.000 Schiffe passieren die Küste pro Jahr.

Maßnahmen, um einen neuen Fall wie den der Prestige in Zukunft zu verhindern, sind bis heute nicht in Kraft, warnt Sebastián Losada von Greenpeace Spanien. Die Schiffseigner müssten viel stärker als bisher in die Verantwortung genommen werden. Die Beseitigung des Öls aus der Prestige hat laut spanischer Regierung bislang rund eine Milliarde Euro gekostet - überwiegend aus öffentlichen Kassen des Landes und der EU.

In den letzten vier Jahren - seit dem Unfall der Prestige - wurde nicht ein einziges Schiff mit Gefahrgut auf hoher See kontrolliert. Losada rechnet daher mit weiteren schweren Unfällen vor der Todesküste - etwa im Fünfjahresrhythmus. Im nächsten Jahr könnte es dann wieder so weit sein.

(Autor: Helge Holler)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Butter bei die Fische

Fischer reagierten teils empört auf die von Greenpeace-Aktiven versenkten Steine in der Ostsee. Im Interview erzählt Thilo Maack, warum die Aktion auch der Fischerei nutzt.

Deswegen sind wir wieder hier

Immer wieder protestiert Christian Bussau gegen Shell im Brent-Ölfeld. Der Protest gegen die Versenkung der Brent Spar war der größte Erfolg. Er erzählt, warum er heute da ist.

Mut gegen Klimawahnsinn

Vier Aktivist*innen haben eine Ölplattform besetzt. Sie fordern, jede weitere Ausbeutung von Öl und Gas sofort zu stoppen. Offshore-Wind statt Öl ist ihre Devise gegen Klimakrise.