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US-Kommission: Ölpest im Golf war vermeidbar

Der Endbericht der Untersuchungskommission zur Havarie der Deepwater Horizon hat es in sich: Über 380 Seiten zum Unfallhergang und den Ursachen führen zur bitteren Erkenntnis: Die Ölkatastrophe hätte vermieden werden können. Ein ähnlicher Unfall kann sich jederzeit wiederholen!

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Der Blow-Out am 20. April 2010 im Macondo-Ölfeld vor der US-Küste hat eine lange Vorgeschichte. Eine Kettenreaktion von zahlreichen handgemachten Fehlern löste letztendlich die größte Ölpest in der amerikanischen Geschichte aus. Versagt hat nicht nur BP als Hauptverantwortlicher - auch dem Plattformbetreiber Transocean und Öldienstleister Halliburton werden massives Missmanagement vorgeworfen. Und: Der eigenen US-Aufsichtsbehörde mangelte es offensichtlich an der technischen Expertise, um Bohrprojekte professionell zu beurteilen und zu genehmigen. Unter anderem weil die ölfreundliche Vorgängerregierung unter Präsident Bush deren Budget stark beschnitten hatte.

Gefährlicher Status Quo

Der von Präsident Obama verordnete Bohrstopp im Golf ist auf Druck der Öllobby schon wieder aufgehoben. Erst in der vergangenen Woche erhielten dreizehn Ölfirmen neue Bohrgenehmigungen für den Golf. Ein Zufall, dass diese rechtzeitig vor dem Erscheinen des Abschlussberichtes ausgesprochen wurden? Nach dessen Lektüre ist Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern eines klar: Ohne erhebliche Reformen in der Politik und der Industrie ist ein nächstes Deepwater Horizon jederzeit möglich.

Um dies zu verhindern, spricht die Untersuchungskommission in ihrem Endbericht 29 Empfehlungen aus:

  • Unter anderem regt sie an, eine unabhängige Aufsichtsbehörde mit Geldern der Ölindustrie einzurichten. Professionelle Gutachter sollen mit der Unterstützung von Wissenschaftlern garantieren, dass Bohrprojekte nur noch mit den höchsten Sicherheitsstandards an den Start gehen.
  • Der bestehende Ölschadensfonds von 75 Millionen Dollar soll aufgestockt werden. Allerdings nicht unbegrenzt, um die zahlungsschwächeren Ölfirmen nicht aus dem Wettbewerb zu kicken. Eine gefährliche Entscheidung: Das Beispiel des vergleichsweise kleinen, aber tiefen Macondo-Ölfelds hat gezeigt, welche Kosten bei einem Ölunfall entstehen können. Diese dürfen nicht auf die Bevölkerung umgewälzt werden, sondern müssen voll von den Verursachern getragen werden, betont Feddern.

Arktis weiter gefährdet

Nicht nur im Golf wird weiter gebohrt - auch für sensible Ökosysteme wie die Arktis ist kein Bohrstopp in Sicht. Nicht zielführend, so lautete die wenig überraschende Ansage auf der gestrigen Pressekonferenz der Untersuchungskommission. Stattdessen plane man, die Küstenwache für den Notfall besser auszurüsten. Für Jörg Feddern ist das unverantwortlich: Es gibt Regionen, besonders sensible Ökosysteme, in denen die Öl- und Gasproduktion endgültig gestoppt werden muss. Die Aufräumarbeiten nach einem Ölunfall in der Arktis könnten Jahre dauern - die Konsequenzen für die Meeres- und Tierumwelt sind kaum abzuschätzen!

Publikationen

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