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Umwelt der Aleuten durch Schweröl bedroht

Auf die Inselgruppe der Aleuten und den zerbrochenen malaysischen Frachter Selendang Ayu rollt ein Unwetter zu: Die US-amerikanische Küstenwache erwartet in dem Gebiet für diesen Mittwoch heftige Winde, die von meterhohen Wellen begleitet werden. Dadurch könnte sich die Öl-Katastrophe vor der nordamerikanischen Inselgruppe ausweiten.

Nach eigenen Angaben sind die Behörden in der abgelegenen und tierreichen Region bislang nur auf einen toten Seeotter und drei verendete Seevögel gestoßen. Allerdings fanden sie hunderte von ölverschmierten Vögeln. Das aus dem Frachter ausgelaufene Schweröl hat bereits mehrere Buchten der Insel Unalaska verseucht.

Ein Greenpeace-Team ist vor Ort, trifft sich mit Anwohnern und lokalen Fischern, um über die möglichen Schäden für Umwelt und Tiere bei einer Ölkatastrophe zu informieren. Das giftige und zähe Schweröl ist in dem Gebiet mit der höchsten Krabbendichte der Aleuten ausgelaufen - und die Fangsaison der Eismeerkrabben steht vor der Tür. Ob die am 15. Januar beginnende Fischereisaison abgeblasen werden muss, ist unklar.

Zu der Katastrophe kam es, als die Selendang Ayu letzte Woche nach einem Motorausfall steuerlos westlich von Unalaska auf Grund lief. Bei der folgenden Rettungsaktion stürzte ein Helikopter ab. Sechs Seeleute, die damit in Sicherheit gebracht werden sollten, gelten seitdem als vermisst.

Wegen der rauen Wetterlage und des hohen Seegangs brach der Frachter entzwei. Vermutlich barst einer der vier Schweröltanks und sein 160.000-Liter-Inhalt gelangte ins Meer. Schweröl ist ein Abfallprodukt der Ölraffinerie - voller Giftstoffe und Schwermetalle. Es darf einzig in der Seefahrt eingesetzt werden und dient als Treibstoff.

Verglichen mit dem Ölunfall der Exxon Valdez im Prinz-William-Sund in Alaska von 1989 ist die Menge des ausgelaufenen Öls deutlich geringer. Doch Entwarnung kann deswegen nicht geben werden. Im Gegenteil: 1989 lief Rohöl aus, das eine vergleichsweise kurze Verweildauer hat. Das giftige Schweröl wird nur extrem langsam abgebaut. Es bedroht zudem das Naturschuztgebiet Alaska Maritime National Wildlife Refuge mit seiner einzigartigen Tierwelt.

Dieser Unfall ist eine Tragödie in vielerlei Hinsicht, sagt Melanie Duchin, Greenpeace-Ölexpertin vor Ort. Unser Mitgefühl gehört den Familien der vermissten Seeleute. Die Behörden von Alaska stehen der großen Herausforderung gegenüber, die Ölpest einzudämmen und Umwelt und Natur zu schützen. Schiffe, ob Tanker oder Frachter, werden immer wieder in Seenot geraten. Es ist notwendig nicht nur diese Ölkatastrophe zu bekämpfen, sondern alles zu tun, damit solche Katastrophen in Zukunft nicht mehr geschehen können.

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