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Der Wettlauf der Konzerne um Öl und Gas geht jedoch weiter

Total meldet: Gasleck in der Nordsee ist geschlossen

Mehr als 50 Tage nachdem die Gasplattform Elgin vor der schottischen Küste havarierte, gibt der Betreiber Total bekannt, dass das Gasleck nun geschlossen sei. Gelernt hat die Ölbranche aus den Fehlern der Vergangenheit aber offenbar nicht.

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Die Chronologie der Ereignisse im Überblick:

25. März 2012: Die Gasplattform Elgin Wellhead in der Nordsee wird evakuiert. 25 Meter über dem Meeresspiegel treten große Mengen Gas aus. Durch eine Flamme, die sonst dazu dient überschüssiges Gas abzufackeln, besteht akute Explosionsgefahr. Da das Risiko für einen Einsatz zu hoch ist, hofft Total darauf, dass die Flamme von allein ausgeht. Die britischen Behörden errichten eine Sperrzone um die Plattform. Total erklärt, dass es bereits seit über einem Monat Probleme auf der Elgin gab. Man habe bis zur Evakuierung am vergangenen Sonntag jedoch versucht, die Schwierigkeiten unter Kontrolle zu bringen.

29. März: Greenpeace startet einen Erkundungsflug, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Mit einer speziellen Kamera nehmen sie die Gaswolke um die Plattform auf.

31.März: Eine Woche nach dem Unglück erlischt die Flamme von selbst, doch weiterhin strömen große Mengen Gas aus. Total gibt an, dass täglich rund 200.000 Kubikmeter Methan und Gaskondensate austreten.

1. April: Greenpeace entsendet ein Forschungsschiff in die Nordsee, um Luft- und Wasserproben zu nehmen und das Ausmaß des Unglücks zu bemessen. Dabei wird eine großflächige Ölverschmutzung des Oberflächenwassers festgestellt. Mit einer Mittelwellen-Infrarotkamera suchen die Umweltschützer nach der Austrittsstelle des Gases. Zusätzlich nimmt ein Chemie-Experte mittels großer Luftsäcke Proben aus der Atmosphäre.

Total sucht indess nach Möglichkeiten, das Gasleck zu schließen. Infrage kommt eine Entlastungsbohrung, die allerdings rund sechs Monate dauern könnte oder das Verschließen des Bohrlochs mit Schlamm. Die praktische Umsetzung zieht sich jedoch in die Länge.

25. April: Die Proben, die Greenpeace entnommen hat, ergeben, dass durch das austretende Gas zumindest keine Gefahr für Meereslebewesen und Küste besteht. Der Unfall auf der Elgin hat sich also glücklicherweise nicht zu einer Umweltkatastrophe entwickelt. Laut einem OSPAR-Report kommt es jährlich jedoch zu mehreren hunderten Unfällen auf Öl und Gasplattformen in der Nordsee. Trotz Sicherheitsvorkehrungen kann dies nicht verhindert werden.

Außerdem ist das immer noch austretende Gas auf der Elgin weiterhin besorgniserregend. Es handelt sich vor allem um Methan, ein Treibhausgas, das 20-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Glücklicherweise scheint der Gasstrom langsam abzunehmen, so, dass nicht - wie befürchtet - jeden Tag seit der Havarie der Plattform 200.000 Kubikmeter Gas austreten.

16. Mai: Letzte Woche gibt der Betreiber Total schließlich bekannt, es sei gelungen das Leck zu schließen. Das mit Schlamm verstopfte Loch muss jedoch beobachtet werden, um sicherzustellen, dass es sich nicht wieder öffnet.

Und in Zukunft?

Mit dem Schließen des Lecks, scheint die Gefahr mehr als 50 Tage nach der Havarie fürs Erste gebannt zu sein. Doch wie es aussieht, hat die Ölbranche aus dem diesmal glimpflich abgelaufenen Unglück in der Nordsee nichts gelernt. Totals Konkurrent Shell etwa hält weiterhin an seinen Plänen fest, in der Arktis nach Öl zu bohren. Ein Leck wäre dort wegen der Extrembedingungen der Region anders als in der Nordsee nicht in den Griff zu bekommen. Die Auswirkungen für das sensible und weltweit einmalige Ökosystem der Arktis wären katastrophal. Der Lebensraum von nur dort vorkommenden Tieren wie Eisbären oder Polarfüchsen wäre damit unwiederbringlich zerstört.

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