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Total bestreitet Schuld an Erika-Ölpest

Im Dezember 1999 sank der Tanker Erika vor der französischen Atlantikküste. Am Mittwoch nun wurden die Ermittlungen zur Verantwortung für das Unglück abgeschlossen. Der Prozess soll 2005 eröffnet werden. Vorab bestreitet der Ölmulti TotalFinaElf schon einmal jede Mitschuld an der Katastrophe.

Der Konzern will nach eigenen Aussagen einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens stellen. Die Begründung: Der Tanker war ja nur gechartert. Bei dem Unglück liefen 30.000 Tonnen Öl aus, 400 Kilometer Sand- und Steinstrand wurden verseucht, an die 150.000 Vögel verendeten qualvoll. Die erschreckende Bilanz einer Ölpest, die jetzt ihre Verantwortlichen sucht.

Das Argument von TotalFinaElf stößt derweil bei Umweltschützern auf Unverständnis und Wut. Jährlich transportieren Öltanker zwei Milliarden Tonnen Rohöl und Ölprodukte über die Weltmeere. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Unglücken. Die Ölfirmen müssen dafür sorgen, dass ihr gefährlicher Stoff auch sicher transportiert wird. In diesem Punkt hat TotalFinaElf schlichtweg versagt und trägt sehr wohl Verantwortung für die Katastrophe, so Greenpeace-Experte Jörg Feddern.

Das Erika-Unglück ist dabei nur ein Fragment einer traurigen Serie. Mit schrecklicher Regelmäßigkeit kommt es beinahe jährlich zu Tankerunfällen mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Zuletzt in den Schlagzeilen: Der Unfall der Prestige im Jahr 2002. Die Hülle des Tankers brach und 40.000 Tonnen Schweröl traten aus. Über 3.000 Kilometer der spanischen und französischen Küste wurden verseucht.

Die Prestige war genau wie die Erika über 20 Jahre alt und besaß nur eine Außenhülle. Kaum Schutz für die äußerst gefährliche Fracht. Zwar beschloss die Europäische Union, dass ab 2010 solche Einhüllentanker keine europäischen Häfen mehr anlaufen dürfen, jedoch ist nur eine Ausweitung auf internationale Gewässer eine durchschlagende Verbesserung.

Wir fordern, dass alle Einhüllen-Tanker über 20 Jahre sofort von den Weltmeeren verschwinden, so Feddern. Zurzeit befahren über 3.000 solcher tickenden Zeitbomben die Gewässer. Und jeder Schrott-Tanker ist einer zu viel.

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