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Schwefelsäure kommt nicht in Nahrungskette

Am Sonnabend ist es dem Krisenteam aus Feuerwehr, Bergungsunternehmen und Tauchern mit Hilfe zweier Kräne gelungen den gekenterten Chemikalientanker ENA 2 im Hamburger Hafen wieder aufzurichten. Die Bergung war durch das Vorhandensein von Wasserstoffgas erschwert worden. Zusammen mit dem Luftsauerstoff hätte sich leicht ein hochexplosives Gasgemisch bilden können. Allerdings hatte der Havarist nahezu die gesamte Ladung verloren, 500 Kubikmeter konzentrierte Schwefelsäure. Bereits am Montag, als der Tanker gekentert war, hatte das ein massives Fischsterben in dem Hafenbecken ausgelöst.

Doch nicht nur die Fische sind betroffen, erklärt Christian Bussau, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace. Dort wo die Säure, die schwerer als Wasser ist, auf den Grund gesunken ist, gibt es auch kein Leben mehr. Allerdings gehen die Fachleute davon aus, dass sich die Säure sehr schnell mit dem strömenden Wasser der Elbe verdünnt hat. Die Schwefelsäure wird aber nicht in die Nahrungskette gelangen, so Bussau. Der ökologische Folgeschaden des Säureaustritts wird in einigen Monaten überwunden sein.

Auf Bussau, der das gekenterte Schiff und die Bergungsarbeiten mehrmals vom Schlauchboot aus in Augenschein genommen hat, machte das Vorgehen bei der Bergung einen guten Eindruck. Im Gegensatz zum Fall der 1998 havarierten Pallas vor Amrum hat das Hamburger Team lösungsorientiert ohne Kompetenzwirrwarr gearbeitet. Allerdings hat dieser Unglücksfall im Hamburger Hafen gezeigt, dass man mit Prognosen bei gekenterten Schiffen vorsichtig sein muss. Am Dienstag ging man noch von lediglich drei Kubikmetern ausgetretener Säure aus. Nun ist klar, dass nur 0,6 Prozent der ätzenden Ladung in den Tanks verblieben war.

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