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Schiffsverkehr gefährdet die Ostsee

Es ist noch einmal gut gegangen: Im dänischen Kattegat ist am Dienstag der Einhüllentanker Acushnet beim dritten Versuch freigeschleppt worden. Auch der nicht eistaugliche Öltanker Stemnitsa, der am Wochenbeginn einige Stunden im Ostsee-Packeis festgelegen hatte, fährt wieder.

Für die Ostsee gibt es dennoch keine Entwarnung, Meer und Küste sind durch immer mehr Öltransporte bedroht. Für die Anrainerländer der besonders gefährlichen Schifffahrtspassagen eine tägliche Zitterpartie.

Greenpeace warnt schon seit langem vor der Gefahr durch Öltanker, die in wachsender Anzahl und in der Regel ohne Lotsen an Bord die engen und schwierigen Routen der Ostsee befahren. Das Beispiel der Acushnet zeigt, dass für die gefährlichen Gebiete in der Ostsee mindestens eine Lotsenpflicht dringend erforderlich ist, kommentiert Greenpeace-Schifffahrtsexperte Jörg Feddern das letzte Tankerunglück. Es müssen endlich politische Entscheidungen getroffen werden.

Die Verantwortlichen der Küstenländer haben jahrelang erstaunlich ruhige Nerven gezeigt - bis im November 2002 der mit 77.000 Tonnen Schweröl beladene Schrotttanker Prestige vor der spanischen Atlantikküste havarierte und eine Ölkatastrophe ungeahnten Ausmaßes verursachte. Deren Ende ist auch nach drei Monaten nicht abzusehen. Die Prestige hatte auf ihrem Weg zum Atlantik auch die gefährliche Kadetrinne in der Ostsee passiert.

Seitdem herrscht Unruhe an den Küsten. Als Anfang Februar bekannt wurde, dass die Stemnitsa und ihr Schwesterschiff Minerva Nounou kurz nacheinander im russischen Hafen Primorsk jeweils 100.000 Tonnen Rohöl laden und mit ihrer Fracht durch das dicke Packeis des Finnischen Meerbusens in Richtung Ostsee fahren würden, protestierte die finnische Regierung heftig. Russland beeindruckten weder Druck noch Sorge des Nachbarlandes. Das einzige Zugeständnis von der russischen Seite waren zwei Eisbrecher, die die nicht eisfähigen Tanker begleiten sollten.

Das russische Ölgeschäft boomt. Der noch relativ neue Hafen von Primorsk verfügt über eine jährliche Kapazität von 30 Millionen Tonnen Öl, und weitere russische Terminals sind geplant. Ein Grund, immer nervöser zu werden, denn mehr Ölexporte bedeuten noch mehr Tankerverkehr auf der Ostsee und noch mehr Gefahr für die Umwelt.

Grund zu besonderer Unruhe haben Dänemark und Deutschland. Durch ihre Küstengewässer führt die berüchtigte Kadetrinne, eine der meistbefahrenen und gefährlichsten Schifffahrtsstraßen der Welt. An ihrer schmalsten Stelle ist sie gerade 1000 Meter breit und sehr flach. Um die Jahreswende 2002/2003 hat Greenpeace vier Wochen lang den Ostsee-Engpass beobachtet und festgestellt, dass die Durchfahrt uralter Einhüllentanker praktisch an der Tagesordnung ist. Regelverstöße und Fehler sind nicht ungewöhnlich.

Als Konsequenz aus den bisherigen Erfahrungen und noch drohenden Gefahren fordert Greenpeace ein sofortiges Verbot von Tankern, die älter sind als 20 Jahre oder nur eine Außenhülle haben; Lotsenpflicht für gefährliche Wasserstraßen; die Einrichtung von Schiffsleitstellen mit Weitbereichs-Radar entlang der Küsten; die Bereitstellung von ausreichenden Schlepperkapazitäten und die Einrichtung von Safe havens, in die havarierte Schiffe abgeschleppt werden können.

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