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Rückblick: BP und die Sucht nach dem Öl

Das Bohrloch ist seit Juli verschlossen. Unser Einsatz geht weiter. Diese doppeldeutige Werbeanzeige schaltet der Ölmulti BP gerade europaweit in den großen Zeitungen, um sein angeschlagenes Image nach der Ölpest im Golf von Mexiko wieder aufzubessern. Was hinter dem versprochenen Einsatz wirklich steckt, erklärt Jörg Feddern, Öl-Experte bei Greenpeace.

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Man sei fest entschlossen, aus den gemachten Erfahrungen zu lernen - das verspricht BP mit einer weit angelegten Werbekampagne. Und listet alle Kapazitäten auf, die man zur Beseitung der Ölkatastrophe aufgefahren hat: 48.000 Hilfskräfte, 6.000 Schiffe, 120 Flugzeuge ...

Diese Tatsachen sollten Grund genug sein, auf neue Tiefseebohrungen zu verzichten und ein weltweites Moratorium zu befolgen. Von wegen - unter Lerneffekt versteht man in der BP-Gruppe nämlich etwas ganz anderes!

Ölbranche rüstet auf

BP startet neue Tiefseeprojekte - fast so, als wäre nichts geschehen. Vor der libyschen Küste steht der Konzern in den Startlöchern, um mit Probebohrungen nach dem begehrten Stoff zu beginnen. Ein Unglück wie im Golf von Mexiko würde dem schon jetzt stark belasteten Mittelmeer schwer zu schaffen machen. Deshalb forderte die italienische Umweltministerin zu Recht ein Aussetzen der Bohrungen. Vor der norwegischen Küste wartet BP sehnsüchtig auf ein hochmodernes Förderschiff, das gerade in Korea fertig gestellt wird. Anvisierter Förderbeginn ist Sommer 2011.

Doch nicht nur BP setzt voll auf Angriff. Shell, Exxon, Total, der brasilianische Staatskonzern Petrobras und andere haben die Tiefsee für sich entdeckt. Immer tiefer dringen sie in den Meeresboden, immer weiter entfernt von der Küste. In immer sensiblere Regionen, wie zum Beispiel in die Arktis, treibt es die Ölgiganten. Und immer mit der unsicheren Technik, die auch das Unglück der Deepwater Horizon-Plattform verursacht hat.

Und die Politik?

Kurz nach dem Unfall im Golf war das Wort Moratorium in aller Munde. Ob vom US-amerikanischen Präsidenten über den EU-Kommissar Oettinger bis zum deutschen Umweltminister Röttgen - viele bliesen in das gleiche Horn.

Bisher gibt es nur die von BP in Auftrag gegebene Analyse zum Hergang der Katastrophe. Der unabhängige Bericht der US-Regierung lässt noch einige Monate auf sich warten.

Was ist geblieben?

  • In den USA stoppte ein Gericht den Versuch des Präsidenten, ein Moratorium einzurichten. Immerhin konnte er sich teilweise durchsetzen: Ein Gebiet des östlichen Golfs ist gesperrt, der größte Teil bleibt aber weiterhin für die Ölindustrie geöffnet.
  • Auf EU-Ebene ist es beim Versuch geblieben. Die Moratoriums-Empfehlung des EU-Umweltausschusses ENVI wurde im Parlament mit 323 Gegenstimmen abgewiesen.
  • Der deutsche Umweltminister scheiterte auf einem Treffen der Anrainerstaaten des Nordost-Atlantiks (OSPAR-Konferenz) mit seinem Antrag vor allem an den Öl-Interessen Norwegens und Großbritanniens.

Greenpeace fordert: Raus aus der Tiefsee

Seit Beginn des Unglücks im April 2010 waren Greenpeace-Vertreter vor Ort, um die Ölkatastrophe zu dokumentieren. Mit einer internationalen Ölkampagne Go Beyond Oil machte Greenpeace in der Arktis und vor den Shetland-Inseln auf das gefährliche Tiefseegeschäft aufmerksam. Gleichzeitig hatten Wissenschaftler und Journalisten die Möglichkeit, am Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise die Folgen der Ölpest direkt vor Ort zu untersuchen.

In Deutschland demonstrierten Greenpeace-Aktivisten monatelang vor verschiedenen Aral-, Shell- und Total-Tankstellen. Bei Energie-Kommissar Oettinger in Brüssel, beim deutschen Umweltminister Röttgen und auf der Meeresschutzkonferenz der Nordostatlantik-Anrainerstaaten forderte Greenpeace einen Stopp der Tiefseebohrungen. Zuletzt übergaben ehrenamtliche Aktivisten der Deutschlandzentrale von BP in Bochum über 90.000 entsprechende Weihnachtswünsche.

Unser Einsatz geht weiter - verspricht BP. Greenpeace auch.

Publikationen

Ein Jahr nach Deepwater Horizon

Greenpeace - Ölexperte Jörg Feddern machte sich ein Jahr nach dem "Deepwater Horizon" - Unglück auf den Weg in die USA um dort die Folgen zu dokumentieren.

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