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Riesentanker in Litauen aufgelaufen

Noch nicht lange ist es her, da havarierte der Großtanker Prestige mit über 77.000 Tonnen giftigen Schweröl im Atlantik und lenkte mit einem Paukenschlag die Aufmerksamkeit auf die Schiffssicherheit auf den Weltmeeren, da havariert auch schon der nächste Riesentanker. Im litauischen Hafen von Klaipeda lief schon vor drei Tagen die unter der Flagge Panamas fahrende Princess Pia auf Grund. Wieder ein Uralt-Tanker. Wieder mit Tausenden Tonnen schwerem Heizöl an Bord. Nur diesmal in der Ostsee.

Aus inzwischen festgestellten Rissen fließt kein Öl aus, weil sie Tanks für Ballastwasser getroffen haben. Am Freitag konnte Peter Küster, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace, vor Ort die Situation in Augenschein nehmen. Er berichtet, dass der Tanker in erkennbarer Schieflage im Hafen liegt. Das ganze Schiff sei deutlich durchgebogen. Die Princess (Prinzessin) befinde sich in keinem guten Zustand, schon lange dürfte ein Neuanstrich fällig sein.

Küster weist darauf hin, dass das 23 Jahre alte Schiff trotz seines doppelten Bodens nicht automatisch sicherer sei als einbödige Gefährte. Zwischen den beiden Bodenwänden befinde sich nämlich häufig der Treibstoff fürs Schiff, der damit auch nur durch eine Wand vom Wasser getrennt sei. Obwohl bis zum Freitagabend das Wetter relativ ruhig war, schätzt Küster die Situation als nicht so stabil ein, wie es offenkundig die litauische Hafenbehörde tut. Allein ein Spezialschiff, das eine Ölbarriere um den Havaristen legen soll, ist in der Nähe der Princess Pia zu sehen.

Kritik haben sich die Behörden auch schon vom litauischen Präsidenten Valdas Adamkus eingehandelt. Er warf ihnen vor, zu versuchen den Unfall zu verstecken. Denn obwohl der Tanker bereits am Mittwochabend auflief, meldeten die offiziellen Stellen erst zwölf Stunden später das Problem. Anstatt sich an die vorgeschriebenen Vorgehensweisen für solche Fälle zu halten, haben die Behörden die Situation mit eigenen Mitteln lösen wollen. Adamkus stellte die bisherigen Notfallsysteme in Frage.

Aber Litauen ist nicht der einzige Ostsee-Anrainerstaat, der auf eine Katastrophe nicht richtig vorbereitet ist. Auch Deutschland ist nicht in ausreichendem Maße bereit, mit einer schweren Havarie und anschließender Ölpest fertig zu werden. Doch darauf müsste es eigentlich vorbereitet sein, denn die Princess wäre bereits längst durch die Kadetrinne zwischen Dänemark und Deutschland gekommen, wenn sie nicht auf Grund gelaufen wäre.

Um das Gefahrenpotenzial dieses Nadelöhrs in der Ostsee zu beobachten, haben Greenpeace-Aktivisten an Bord des ehemaligen Feuerschiffes Sunthorice an der Kadetrinne Posten bezogen. Mit Hilfe der Radar-Überwachung halten sie in den nächsten vier Wochen zusammen mit Überseelotsen alle Schiffsbewegungen auf der unfallträchtigen Wasserstraße fest.

Doch schon nach nur wenigen Tagen ist klar: Um für die Schiffssicherheit tatsächlich etwas zu tun, müssen Uralttanker mit nur einer Hülle sofort verbannt werden. Für die Kadetrinne muss die Lotsenpflicht eingeführt werden. Außerdem müsste eine Leitzentrale mit leistungsstarkem Radar den Schiffsverkehr besser überwachen.

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