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Recht auf Leben - kein Recht auf Öl!

Mit einer Teufelsbeschwörung haben Einheimische der russischen Insel Sachalin am Donnerstag gegen die Geschäftspolitik der großen Ölmultis protestiert. Sie werfen den Unternehmen vor, die Rechte der Indigenen mit Füßen zu treten. Umweltverbände, darunter Greenpeace, unterstützen den Protest.

Das Ochotskische Meer vor der Küste Sachalins gilt als besonders reich an Öl und Gas. So ist denn auch alles, was in der Geschäftswelt des Öls Rang und Namen hat, hier vertreten: ExxonMobil, Shell, BP und Co. Sechs Förderprojekte (Sachalin 1-6) gibt es, zwei davon sind teilweise umgesetzt.

Was die Bewohner der Insel bislang von dem Boom haben, widerspricht in krasser Weise früheren Versprechungen der Ölindustrie. Statt größeren Wohlstands und verbesserter sozialer Standards haben die beiden Projekte Sachalin 1 und 2 ihnen unter anderem eine höhere Kriminalitätsrate und mehr Krankheiten beschert. Die Ölkonzerne missachten verbriefte Rechte der Indigenen ebenso wie Belange des Umweltschutzes.

Öl gegen Menschenrechte

Schon die beiden ersten Projekte haben zerstörte Wälder und Weiden hinterlassen. Fischgründe sind durch auslaufendes Öl schwer geschädigt worden. Mit der traditionellen Fischerei verlieren die Indigenen eine ihrer wichtigsten Lebensgrundlagen.

Jetzt soll eine Ölpipeline vom Norden bis in den Süden der Insel gebaut werden. Sie wird mehr als 1000 Flüsse überqueren, die als Laichgründe der Lachse bekannt sind. Während der Bauzeit werden die Flüsse umgeleitet. Die Kinderstuben der Lachse werden zerstört. Damit sind 30 Prozent der Lachsbestände des russischen fernen Ostens bedroht.

Schmutzige Tricks der Konzerne

Nicht umsonst fand die Zeremonie der Teufelsbeschwörung in Veni statt - einer heiligen Stätte der Indigenen in der Ortschaft Wenskoje. Dort sind ihre Vorfahren begraben - und von dort aus wurde auch die Ölgewinnung organisiert. Zu der Veranstaltung waren neben Vertretern der örtlichen Behörden auch Vertreter der Ölgesellschaften eingeladen. Sie sind nicht erschienen.

Stattdessen übten die Multis Druck aus, um die Veranstaltung von vornherein zu unterbinden: Wer sich dem Protest anschließen wollte, war plötzlich mit Transportproblemen konfrontiert. Gefälschte Übereinkommen mit der angeblichen Unterschrift von Indigenen-Repräsentanten machten die Runde. Inselbewohnern wurde empfohlen, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Der Kampf für angestammte Rechte wird trotzdem weitergehen. Die Demonstranten beschlossen am Donnerstag spontan, ihren Protest fortzusetzen. Sie blockierten am Freitag die Straße im Noglikskidistrikt, auf der Material zum Bau einer weiteren Ölproduktionsstätte an die Küste transportiert wird. Einzelheiten der Aktion waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Bitte besuchen Sie die Internetseite von Greenpeace Russland, wenn Sie mehr wissen wollen. Unsere russischen Kolleginnen und Kollegen bieten auch Informationen in englischer Sprache an.

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