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Prestigeöl: Eine zähe, stinkende Giftmasse

Zwei Tonnen Öl aus der gesunkenen Prestige, vermischt mit Sand und Seetang, haben französische Fischer aus Protest vor dem Büro der Fischereibehörde in Arcachon abgeladen. Sie protestierten damit gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen und forderten Entschädigung. Welchen Schaden das Ökosystem der Region durch die giftige Masse langfristig nehmen wird, ist bisher kaum abzusehen.

Seit Wochen hatten sie davor gebangt, dann - Anfang Januar - kam die gefürchtete Ölflut auch an der französischen Küste an. Seit zehn Tagen fischen wir Öl statt Fisch, sagte Alain Argelas, Gewerkschaftsführer der Fischer und Schiffseigner von Arcachon. Wir fischen nicht mehr - wir säubern, denn das Becken (von Arcachon) ist unsere Lebensgrundlage. 150 Euro täglich pro Mann forderten die Fischer für entgangene Einkünfte und 450 Euro täglich für jeden Kutter, der von der Regierung eingezogen wurde, um bei der Säuberung des Meeres zu helfen.

Ein Ende des Elends liegt auch zwei Monate nach der Havarie des Öltankers Prestige vor der spanischen Atlantikküste noch in weiter Ferne. Während Madrid die Ermittlungen blockiert, steigt täglich weiteres giftiges Schweröl aus dem gesunkenen Tanker an die Meeresoberfläche. Schätzungen über die anfallenden Säuberungskosten liegen inzwischen bei einer Milliarde Euro. Die Fischer der betroffenen Regionen ringen um ihre Existenz. Dabei soll noch nicht einmal die Hälfte der 70.000 Tonnen-Ladung freigesetzt worden sein.

Was das langfristig für das Ökosystem der Region bedeuten kann, lässt sich am Beispiel der 1989 vor Alaska havarierten Exxon Valdez erkennen. Der Tanker war im März '89 auf ein Riff aufgelaufen und hatte 40.000 Tonnen Erdöl verloren. Rund 2000 Kilometer einer nahezu unberührten Küstenlandschaft wurden schwer verschmutzt, Hunderttausende Tiere starben. Es war die schlimmste Ölkatastrophe in amerikanischen Gewässern.

Noch heute, 14 Jahre später, treiben im Prinz William Sound kleine Ölflecken auf dem Wasser und beeinträchtigen mit dem austretenden Gift das Meeresleben. Untersuchungen belegen, dass immer noch elf Hektar Küste kontaminiert sind. In Fischottern und Harlekinenten wurde ein Enzym nachgewiesen, das mit der Belastung durch Öl in Verbindung gebracht wird. Vermutlich nehmen sie das Gift über die Nahrung auf oder über Verschmutzungen des Fells bzw. Gefieders. Die Todesrate ist höher als bei Tieren derselben Arten in unbelasteten Nachbarregionen, die Fortpflanzungsrate dagegen geringer.

Im Falle der Prestige kommt erschwerend hinzu, dass sie schwefelhaltiges Schweröl geladen hat. Schweröl bleibt nach der Raffinierung von Rohöl zu Benzin, Diesel und leichtem Heizöl als zähflüssiger Rest übrig, der vor allem als billiger Schiffstreibstoff eingesetzt wird. Es enthält einen relativ hohen Anteil an polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die Krebs auslösen können, außerdem andere aromatische Verbindungen wie Phenole sowie zum Teil giftige Schwefelverbindungen und Schwermetalle. Es ist nicht verwunderlich, dass etliche Hundert der freiwilligen Helfer an der galicischen Küste sich nach ihrem Kontakt mit der stinkenden Giftmasse in ärztliche Behandlung begeben mussten.

Selbst wenn in den nächsten Wochen nicht alles Öl aus der Prestige ausfließen sollte, wird der Tanker auf dem Meeresgrund mit der Zeit durchrosten und seine Restladung freisetzen. Greenpeace-Experte Christian Bussau geht davon aus, dass der Abbau des Schweröls, das bei rund Null Grad Celsius auf dem Meeresboden zu einer extrem zähflüssigen Masse, ähnlich wie Knetgummi oder feste Marmelade wird, Jahrzehnte dauern kann. Teile der Giftstoffe oder Abbauprodukte davon können dabei auch in die Nahrungskette gelangen.

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