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Prestige: Roboter, Beton oder Torpedos?

Den spanischen Politikern wird angesichts immer stärkerer Rücktrittsforderungen wegen des katastrophalen Krisenmanagements bei der Havarie der Prestige offenbar mulmig. Das Schiff liegt in 3500 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantik und verliert pro Tag rund 125 Tonnen Öl. Noch sind allerdings etwa 50.000 Tonnen an Bord - das reicht für die dauerhafte Verschmutzung der galicischen Strände für die nächsten drei Jahre.

Eine von der spanischen Regierung eingesetzte Expertenkommission entwickelt jetzt Pläne, wie dieses Problem anzugehen sei. Die momentan gehandelten Ideen sind sehr unterschiedlich: Während die niederländische Bergungsfirma Smit bereits die Bergung des Öls mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern prüft, diskutiert die Kommission auch den Beschuss mit Hilfe von Torpedos, um die Prestige zu zerstören, das Öl auf einmal an die Meeresoberfläche zu bringen und es dort abzusaugen. Eine weitere Option wäre die Abdichtung des Schiffes oder gar den Bau eines Beton-Sakrophags rundherum.

Das treibt ziemliche Blüten, meint Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau. Aber die spanischen Behörden doktern nur an den Symptomen herum. Sie sollten endlich im Verbund mit der EU solchen Uralt-Tankern die Einfahrt in europäische Gewässer verbieten. Und für den Fall, dass doch einmal etwas passiert, brauchen wir dringend sichere Häfen, in die ein havariertes Schiff geschleppt werden kann. In ganz Europa gibt es davon jedoch bisher keinen einzigen. Die Katastrophe der Prestige kann sich jederzeit auch an deutschen Küsten wiederholen.

Greenpeace hat deshalb - wie bereits vor anderthalb Jahren - ein Überwachungsschiff in die Kadetrinne entsandt. Die Kadetrinne ist eine stark befahrene Meerenge zwischen Mecklenburg-Vorpommern und der dänischen Insel Falster. Statistisch gesehen durchfährt pro Tag ein Schrotttanker vom Schlag einer Prestige die gefährliche Wasserstraße. (hol)

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