Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Prestige: Regierung gesteht Fehler ein

Der spanische Fischereiminister Miguel Arias Canete hat am Mittwoch zugestanden, die Regierung habe bei der Bewältigung der Havarie des Öltankers Prestige im November 2002 Fehler gemacht. Wir haben das Ausmaß des Desasters falsch eingeschätzt, die mittel- und langfristigen Folgen nicht einkalkuliert, sagte der Minister dem spanischen Fernsehen. Die Versäumnisse und Fehleinschätzungen der Regierungsbehörden sind auch Thema des Gerichtsverfahrens gegen den Kapitän der Prestige.

Das Strafgericht in Corcubión, das den Fall derzeit bearbeitet, beschäftigt sich vor allem mit der Frage, inwieweit der Kapitän des Unglücks-Tankers, Apostoulos Manguras, die Katastrophe mit verursachte. Ihm wird zur Last gelegt, die Aufforderungen der spanischen Behörden zu ihrer Eindämmung ignoriert oder ihnen gar zuwider gehandelt zu haben. Laut Anklage soll er sogar die Maschine der Prestige sabotiert haben, weil er verhindern wollte, dass das Schiff von der Küste weg geschleppt wird.

Die Verteidigung argumentiert, er habe so die Umwelt schützen wollen, weil er in dem Sturm das Auseinanderbrechen des Tankers befürchtet habe. Unabhängige Experten hatten bereits damals gewarnt, der angeschlagene Tanker könne bei dem schlechten Wetter auseinanderbrechen. Auch im Nachhinein wurde die spanische Regierung für ihr Mißmanagement der Katastrophe scharf kritisiert. Inwieweit sie eine Mitverantwortung an der Ölpest trägt, soll das Gericht klären.

Damit es tatsächlich zu einer Aufklärung der Abläufe während der Havarie kommen kann, forderte Greenpeace am Mittwoch eine bessere Ausstattung der Untersuchungsbehörden. Das kleine Gericht sei personell und technisch gar nicht in der Lage, eine Untersuchung dieser Größenordnung und Komplexität durchzuführen, sagte der Geschäftsführer von Greenpeace Spanien, Juan Lopez de Uralde. Das Umweltrecht muss auch umgesetzt werden. Es ist keine rein programmatische Deklaration.

Am Donnerstag sollte der Untersuchungsrichter endlich die schon Ende November angeforderten Originalmitschnitte des Funkverkehrs zwischen dem Leuchtturm von Finisterre und der Prestige erhalten. Die Verteidiger von Manguras möchten damit die Umstände und Verantwortlichkeiten aufklären, unter denen die Havarie ablief.

Ein Ende der schwarzen Flut an den galicischen Stränden ist unterdessen nicht abzusehen. Immer noch treten schätzungsweise 80 Tonnen des giftigen Schweröls pro Tag aus den beiden Wrackhälften. Als Grund für die langsame Abnahme der Menge - in den ersten Wochen waren es noch 130 bis 150 Tonnen pro Tag - werden Erfolge bei der Abdichtung von Lecks und eine langsame Verfestigung des Öls angegeben.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Antarktis: Schutz fürs südliche Polarmeer

Gesunde Meere sind überlebenswichtig: Sie schenken uns Sauerstoff und binden klimaschädliches CO2. Das macht sie zu unseren besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel.

Mehr zum Thema

„Ein gewaltiges Unterfangen“

Vor 22 Jahren besetzten Greenpeace-Aktivisten die Ölplattform Brent Spar – Christian Bussau war dabei. Im Interview schildert er die Aktion – und die aktuelle Situation vor Ort.

Doppelt hält besser

Erfolg fürs Wattenmeer! Auch ein von Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck in Auftrag gegebenes Gutachten besagt: Ölbohrungen im Wattenmeer sind nicht rechtens.

Ein klarer Fall

Der schleswig-holsteinische Umweltminister kann Ölbohrungen im Wattenmeer umgehend untersagen. Das Recht ist auf seiner Seite, so ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace.