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OSPARCOM-Versenkungsverbot: Ein riesiger Erfolg für die Umwelt!

Viele werden sich noch erinnern können: Vor gut vierzehn Jahren wollte der Mineralölkonzern Shell mit der Brent Spar eine Ölplattform im Meer versenken. Es folgte eine beispiellose Greenpeace-Kampagne, die dank öffentlicher Unterstützung schließlich ihr Ziel erreichte. Die Brent Spar wurde nicht versenkt. Drei Jahre später, am 23.07.1998 wurde dann von der OSPARCOM endlich ein generelles Versenkungsverbot erlassen.

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Am Donnerstag feiert das Verbot seinen elften Geburtstag. Einfach war dieser Beschluss nicht. Zwar verständigten sich die Nordostatlantik-Anrainerstaaten (OSPARCOM) schon 1995 über ein Versenkungsverbot, doch Großbritannien und Norwegen weigerten sich zunächst, eine solche Vereinbarung mitzutragen. Bis zum 23.07.1998. An diesem Tag war der Vertrag endlich unter Dach und Fach.

Das Verbot für die Versenkung von Ölplattformen ist vor allem der Unterstützung unzähliger Verbraucher zu verdanken. Sie zeigten mit ihrem Boykott von Shell-Tankstellen, dass sie gegen die sinnlose Verschmutzung der Meere und für eine Entsorgung von Plattformen an Land waren. Shell-Tankstellenpächter beklagten während der Diskussion um die Brent Spar Umsatzrückgänge von bis zu 50 Prozent.

So ist diese Vereinbarung auch heute noch ein riesiger Erfolg - obwohl nach wie vor viel zu viel Öl aus dem Betrieb von Ölplattformen in die Meere fließt. Es sind nicht - wie man meinen möchte - nur Tankerunglücke, die das Wasser mit ihrem Öl verschmutzen. Tatsächlich sind solche Unfälle nur für einen geringen Prozentsatz des Öls verantwortlich, das Jahr für Jahr in die Meere fließt. Ein Großteil der Verunreinigung entstammt der Ölförderung. Produktionswasser und Bohrschlamm, gemischt mit Bohrabfällen, das ist es, was Ölplattformen so problematisch macht.

Nach Schätzungen der OSPAR wurden zeitweise 100.000 Tonnen Chemikalien innerhalb eines Jahres in die Nordsee geleitet. Dadurch waren wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge schon 2002 zwischen 5.000 und 8.000 Quadratkilometer Nordseeboden verschmutzt - eine Fläche zweimal so groß wie das Saarland.

Der OSPAR zufolge leiteten die Installationen 2006 mit ihrem Produktionswasser 12.172 Tonnen Öl in den Nordostatlantik ein. Im selben Jahr waren 14 Installationen nicht in der Lage, die von der OSPAR festgesetzten Grenzwerte von 40 Milligramm pro Liter einzuhalten. Bei den in regelmäßigen Abständen durchgeführten Kontrollflügen von Greenpeace - zuletzt im Jahr 2008 - über die Öl- und Gasplattformen entdecken Greenpeace Mitarbeiter immer wieder Ölfilme auf der Wasseroberfläche, die auf Probleme der Plattformen hinweisen. Weithin sichtbare Abfackelungen von Gas belasten die Atmosphäre mit Schadstoffen. Knapp 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid stammten 2006 von Offshore-Installationen, von denen es insgesamt im OSPAR-Gebiet 683 gibt. Ein Ende der andauernden Verschmutzung scheint nicht in Sicht.

Aus diesem Grund fordert Greenpeace-Experte Jörg Feddern: Die Betreiber der Plattformen schaffen es trotz langjähriger Auflagen nicht, damit aufzuhören, unsere Meere mit Öl und Chemikalien zu belasten. Das zeigt, dass es nur eine Lösung gibt: Regenerative, umweltschonende Energien. Nicht den Ölfödertürmen gehört die Zukunft, sondern den Offshore-Windanlagen. Bei der Vergabe von Förderlizenzen für den Offshore-Bereich müssen solche Energieanlagen Vorrang vor der Vergabe neuer Förderlizenzen an Ölkonzerne haben.

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