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Ölpest im Libanon: Aktionsplan beschlossen

Für die Beseitigung der Ölverschmutzung vor der libanesischen Küste fordert die internationale Gemeinschaft rund 50 Millionen Euro als Soforthilfe. Das wurde am Donnerstag nach einer Konferenz in Athen mitgeteilt. Die Summe stelle jedoch nur einen Kostenvoranschlag dar. Bislang ist eine genaue Einschätzung des Ausmaßes der Ölkatastrophe an der libanesischen Küste nicht möglich. Es besteht trotz Waffenstillstand noch immer eine Blockade durch das israelische Militär auf Wasser- und Luftwegen.

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Die Experten mussten sich deshalb auf Momentaufnahmen und Satellitenbilder stützen, genauere Luftbildaufnahmen und Wasserproben fehlen bislang. Zudem herrscht ein Mangel an Ausrüstung. Statt mit Reinigungsmitteln, Absorptionsmitteln, Spezialbooten und Ölabsaugern und und Ölsperren behelfen sich die noch wenigen Hilfskräfte vor Ort mit Schaufeln und Plastikeimern.

Die israelische Blockade verhindert, dass die dringend benötigte Ausrüstung schwer betroffene Gebiete der Küste erreicht, sagt Basma Badran, Pressesprecherin von Greenpeace Libanon. Es gibt Gruppen vor Ort, die symbolisch - eher provisorische Reinigungsarbeiten durchführen. Notwendig ist jedoch eine Ausrüstung in größeren Maßstäben, sie trifft wegen der Blockade nicht ein.

Berichte der Hilfskräfte am Strand von Beirut schildern das Ausmaß der Katastrophe: Die Ölverschmutzung reicht nahezu einen halben Meter tief in den Sand hinein.

Bereits vor Eintritt des Waffenstillstands bat die libanesische Regierung um Hilfe bei der Beseitigung des Ölteppichs an der Küste zum Mittelmeer. Ein Dutzend Länder, darunter Frankreich, Italien, Norwegen, Spanien und Zypern haben dem Libanon sowohl finanzielle Unterstützung zugesagt, als auch Ausrüstung und Fachkompetenz.

Der nun beschlossene Plan sieht vor, festzulegen, auf welchen sieben besonders betroffenen Abschnitten die Reinigung hohe Priorität erhält. Dazu soll die Schwere der Verschmutzung in Betracht gezogen werden, aber auch Häfen und belebte Gegenden haben ein hohes Gewicht. Schutz sollen auch sensible Gebiete - etwa die Eiablageplätze bedrohter Schildkröten oder Brut -und Rastplätze von Vögeln - erfahren. Außerdem sieht der Plan genaue Vorgaben über die Lagerung und den Abtransport des Ölabfalles vor. Abschließend sollen weitergehende Proben des Öls Aufschluss darüber geben, ob möglicherweise Gifte wie PCB enthalten sind.

Jörg Feddern, Energieexperte von Greenpeace fordert nach der Konferenz: Nun da der Aktionsplan beschlossen ist, gilt es die zugesagte Hilfe schnellstmöglich in den Libanon zu bringen, damit endlich in großem Stil mit der Ölbekämpfung begonnen werden kann. Voraussetzung dafür ist die Beendigung der See- und Luftblockade, für die sich die Staatengemeinschaft stark machen muss.

Der Ölteppich vor der libanesischen Küste hat sich mittlerweise auf 150 Kilometer Küstenlinie ausgedehnt und syrische Gewässer erreicht. Mindestens 15.000 Tonnen Schweröl sind aus dem Öltank des Kraftwerkes von Dschijeh ausgetreten. Es wurde bei einem israelischen Bombenangriff zwischen dem 13. und dem 15. Juli getroffen.

Aktuelle Computersimulationen zeigen: 20 Prozent des Öls sind unter Umständen verdunstet, etwa 80 Prozent befinden sich an der Küste - ungefähr 0,25 Prozent sind im Meer verblieben. Dies entspricht einer Menge von circa 40 Tonnen. Satellitenbilder und Augenzeugenberichte gehen aber von einer deutlich höheren Menge Öl auf dem Meer aus. Für Klarheiten sollen Hubschrauberüberflüge sorgen, die Teil des Aktionsplans sind.

Dies ist zweifelsohne eines der furchtbarsten Umweltprobleme, die die libanesische Küste je gesehen hat, beschreibt Badran die Situation. Wann mit einer professionellen Reinigung der Küstenlinie Libanons gerechnet werden kann, steht noch aus.

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