Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Ölpest - die tägliche Gefahr auf den Meeren

Der Beweis für fehlende Schiffssicherheit auf den Meeren wird praktisch täglich erbracht. Erst wenige Tage sind vergangen, seit Greenpeace eine vierwöchige Überwachung der Kadetrinne mit der Warnung beendet hat, dass eine Ölkatastrophe in der Ostsee jederzeit möglich sei. Einen Tag später haben die dänischen Behörden bei Gedser vor der Einfahrt zur Kadetrinne einen Öltanker gestoppt, der mit einer defekten Steuerungsanlage unterwegs war. Ebenfalls am Dienstag ist an der schwer verseuchten spanischen Atlantikküste erneut ein Tanker gesunken.

70.000 Tonnen Öl hat der gestoppte Tanker Kapitan Stankov an Bord - ungefähr so viel wie die Prestige, die Mitte November vor der spanischen Atlantikküste havarierte und eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes auslöste. Wie die Prestige hat die unter liberianischer Flagge fahrende Kapitan Stankov nur eine Schiffshülle.

Dass der Tanker gestoppt wurde, ist dem Verantwortungsbewusstsein eines dänischen Lotsen zu verdanken, dem die Schwierigkeiten des Tankers aufgefallen waren. Das Kontrollsystem ist durch die Prestige-Katastrophe wach geworden, so bewertet Greenpeace-Experte Jörg Feddern die neue Aufmerksamkeit. Behörden und Lotsen reagieren sensibler als noch vor wenigen Monaten. Doch das allein reicht nicht.

Bislang hat die deutsche Ostseeküste einfach Glück gehabt. Eine schwere Ölpest ist jederzeit möglich! warnte Greenpeace erst am Montag. Diese Einschätzung wird durch die letzten Ereignisse erneut bestätigt. In der stark befahrenen Ostseeregion gibt es keine Lotsenpflicht. Diesen Mangel zu beheben, gehört zu den sechs grundsätzlichen Forderungen, mit denen Greenpeace und die Kieler Überseelotsen am Montag an die Öffentlichkeit getreten sind.

Vier Wochen lang hatten die Umweltschützer und Lotsen den Schiffsverkehr in der gefährlichen Kadetrinne zwischen dem deutschen Darß und der dänischen Insel Falster beobachtet. Nahezu ein Viertel der Öltanker, die sie namentlich identifizieren konnten, waren Uralt-Schiffe mit nur einer Hülle - schwimmende Zeitbomben, die sofort von den Meeren verbannt werden müssen.

Weltweit sind Greenpeace-Recherchen zufolge 3437 gefährliche Chemie- und Öltanker auf den Meeren unterwegs. 69 Prozent dieser Schiffe sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, 20 Prozent sogar zwischen 30 und 40. Und elf Prozent haben sage und schreibe mehr als 40 Jahre auf dem Rumpf. In einer eigenen "Schwarzen Liste" haben die Umweltschützer diese Schrottschiffe namentlich aufgeführt.

Um auf die ständig drohende Gefahr aufmerksam zu machen, sind Greenpeace-Aktivisten am Montagmorgen in einer weiteren stark befahrenen Meerespassage zur Tat geschritten: der Meerenge von Gibraltar. Die Umweltschützer erkletterten den Einhüllentanker Vemamagna und entrollten ein Banner mit der Aufschrift Oil Hazard (Ölgefahr). Vier Aktivisten und 14 unabhängige Journalisten wurden bei der Aktion vorübergehend festgenommen.

Einen Tag später, am Dienstag, versank vor der ohnehin schwer verseuchten spanischen Atlantikküste der Tanker Spabunker IV mit knapp 1000 Tonnen Schweröl und 150 Tonnen Diesel an Bord. Der Tanker hatte bis dahin andere Schiffe in der Bucht zwischen Algeciras und Gibraltar mit Treibstoff versorgt. Er war bereits in der Vergangenheit durch die Verschmutzung eines andalusischen Strandes aufgefallen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Antarktis: Schutz fürs südliche Polarmeer

Gesunde Meere sind überlebenswichtig: Sie schenken uns Sauerstoff und binden klimaschädliches CO2. Das macht sie zu unseren besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel.

Mehr zum Thema

„Ein gewaltiges Unterfangen“

Vor 22 Jahren besetzten Greenpeace-Aktivisten die Ölplattform Brent Spar – Christian Bussau war dabei. Im Interview schildert er die Aktion – und die aktuelle Situation vor Ort.

Doppelt hält besser

Erfolg fürs Wattenmeer! Auch ein von Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck in Auftrag gegebenes Gutachten besagt: Ölbohrungen im Wattenmeer sind nicht rechtens.

Ein klarer Fall

Der schleswig-holsteinische Umweltminister kann Ölbohrungen im Wattenmeer umgehend untersagen. Das Recht ist auf seiner Seite, so ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace.