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Öl treibt auf die Kurische Nehrung zu

Die Kurische Nehrung, eine zum Weltnaturerbe ausgerufene Dünenlandschaft entlang der russischen und litauischen Ostseeküste, ist von einer Ölpest bedroht. Wie das russische Katastrophenschutzministerium am Dienstag bekannt gab, haben mehr als 300 Kilogramm Öl die Region verschmutzt. Die russische Umweltschutzgruppe Ecodefence sprach von 40 Tonnen Öl, die die Landzunge auf einer Länge von 200 Kilometern verschmutzt hätten.

Die Quelle des Öls ist noch unklar. Andrej Onischtschenko vom russischen Rohstoffministerium erklärte, es stamme möglicherweise aus einem im Mai vor Bornholm gesunkenen chinesischen Frachter. Die Fu Shan Hai war mit einem Containerschiff zusammengestossen und mit 1.600 Tonnen Schweröl an Bord gesunken. Die schwedische Küste entging nur knapp einer schweren Ölpest.

Vladimir Sliviak, Vizepräsident von Ecodefence, bezeichnete die Aussagen des Ministeriums als reine Erfindung. Der Beginn der Arbeiten auf der Bohrplattform D6 von LUKoil trifft verdächtig nah mit dem massiven Auftreten von Öl an der Küste zusammen, erklärte er. Stichproben des angeschwemmten Öls sollen nun analysiert werden, um eine mögliche Verbindung zu LUKoil zu überprüfen.

Rund tausend russische Soldaten sind nach offiziellen Aussagen zur Säuberung der Strände im Einsatz. Alexej Milovanov von Ecodefense weist auf die enormen Schäden hin: Die einzige Möglichkeit, die Kurische Nehrung vom Öl zu befreien, ist das Abtragen des verschmutzten Sands. Und wenn viel Sand entfernt wird, dann besteht die Gefahr, dass die Nehrung weggeschwemmt wird. Das hat bereits begonnen. Damit würde ein Sammelpunkt für Millionen von Zugvögeln verloren gehen.

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