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Mehr Schwefelsäure im Hafen ausgelaufen

Der Unfall des im Hamburger Hafen havarierten Chemiefrachters ENA 2 ist offenbar weit schlimmer als zunächst angenommen. Am Donnerstag nachmittag hieß es, die Schätzungen über die Menge der ausgetretenen Schwefelsäure müssten deutlich nach oben korrigiert werden.

Experten gehen inzwischen davon aus, dass nach dem Kentern des Schiffes am Montag vorübergehend stündlich 25.000 der 500.000 Liter Säure ausgeströmt seien. In den Tanks befänden sich nur noch etwa 430 Tonnen Flüssigkeit, ein Gemisch von Schwefelsäure und Wasser mit 10 bis 50 Prozent Säuregehalt.

Stimmen diese Zahlen, wird die Bergung des Schiffes und seiner Ladung noch komplizierter als ohnehin vorherzusehen ist. In Wasser verdünnte Schwefelsäure von weniger als 75 Prozent greift unedle Metalle an. Bis jetzt habe es allerdings noch keine Reaktion der Säure mit dem Metall des Schiffes gegeben, hieß es am Donnerstag. Ein Umladen in normale Tanks wäre dann nicht möglich. Gummierte Kesselwagen stünden aber für den Abtransport schon bereit, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Im Licht dieser neuen Erkenntnisse hat Hamburg unwahrscheinliches Glück gehabt, sagt Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau. Der Petroleumhafen ist im Moment biologisch tot. Außer den dort lebenden Fischen müssen wir aber zum Glück keine weiteren Opfer beklagen. In einigen Monaten wird sich der Hafen wieder erholen. Langfristige Schäden sind angesichts der großen Durchflussmenge der Elbe nicht zu erwarten.

Am Freitag soll ein zweiter Schwimmkran an der Unglücksstelle eintreffen. Der Plan der Feuerwehr ist, das Schiff voraussichtlich am Sonntag oder Montag zu drehen und dann zu heben. Das sei der kritische Punkt der Bergung, weil niemand die gegenwärtige Statik des Schiffes kenne, sagte der Feuerwehrsprecher. Es ist wichtig und richtig, dass sich die Behörden die Zeit nehmen, die Lage genau zu analysieren und ihre Planungen an veränderte Lagen immer wieder anzupassen. Es herrscht im Moment kein Zeitdruck, so Bussau.

Das ursprünglich mit 960 Litern hochkonzentrierter Schwefelsäure beladene Schiff war am Montag nach einer Kollision mit einem Containerschiff gekentert und liegt seitdem kieloben im Hamburger Petroleumhafen. Der Kapitän der ENA 2 hatte zum Zeitpunkt des Unglücks laut Staatsanwaltschaft einen Blutalkoholwert von 2,1 Promille.

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