Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Maroder Tanker in der Ostsee aufgespürt

Greenpeace hat das Schiff Highland Faith, das überwiegend als Tanker eingesetzt wird, bei der Einfahrt in die Ostsee entdeckt. Dieser Einhüllentanker - mit lediglich einem doppelten Boden - befährt bereits seit 1981 die Meere. Das Greenpeace-Schiff MV Esperanza begleitet und beobachtet den alterschwachen und unfallgefährdeten Tanker bei seiner Fahrt durch die Ostsee. Am Montag legte er vor Kopenhagen einen Stopp ein.

Ebenfalls am Montag waren genau sechs Monate vergangen, seitdem die Prestige vor der Westküste Spaniens gesunken war. Von den geladenen 77.000 Tonnen giftigen Schweröls flossen damals mehr als 40.000 Tonnen aus. Der 26 Jahre alte Einhüllen-Tanker Prestige war am 13. November 2002 in Seenot geraten und sechs Tage später auseinander gebrochen und gesunken. Schätzungsweise mehr als 100.000 Seevögel fielen der Katastrophe bisher zum Opfer. Von den 700 betroffenen Stränden sind auch sechs Monate nach dem Unglück noch ein Drittel verschmutzt.

Ein solches Unglück kann sich jederzeit auch an der deutschen Küste wiederholen. Die Prestige hatte am 6. November 2002 die Kadetrinne passiert. Die Meerenge zwischen Dänemark und Deutschland ist eine der am stärksten befahrenen Schifffahrtsrouten Europas. Rund 8000 Tanker müssen auf ihrem Weg von ihren Verladehäfen im Baltikum oder in Russland zu ihren Zielhäfen in aller Welt die Kadetrinne passieren.

Die unfallträchtige Meerenge lag auch schon öfters auf der Route der Highland Faith. Der Tanker lief dort im November 1999 auf Grund. Risse und Löcher in der Hülle waren die Folge. Doch mit der Reparatur wurde über ein Jahr lang gewartet. Und das war nicht der einzige Unfall dieses Schiffes, der wie die Prestige eine Ladekapazität von 77.000 Tonnen hat. Zuletzt verlor die Highland Faith im Februar dieses Jahres vor der Südwestküste Englands ein Ruder. Zudem ist der Tanker bei mehreren so genannten Hafenstaaten-Kontrollen durchgefallen und in verschiedenen Häfen wegen Sicherheitsmängeln festgesetzt worden.

Die EU hat endlich am 27. März auf die Prestige-Katastrophe in Spanien reagiert. Greenpeace begrüßt die von der europäischen Gemeinschaft eingeleiteten Maßnahmen zur schnelleren Ausmusterung von so genannten Einhüllentankern bis 2010, sagte Jörg Feddern, Öl-Experte von Greenpeace. Von diesem Zeitpunkt an ist es Tankern von der Beschaffenheit einer Prestige verboten, europäische Häfen anzulaufen. Einhüllentankern, die schwere Öle transportieren, wird aller Voraussicht nach noch im diesem Jahr der Zugang zu europäischen Häfen verboten. Es handelt sich dabei um erste wichtige Schritte, doch diese Maßnahmen müssten schnellstmöglich auf die gesamten Weltmeere ausgedehnt werden.

Immerhin befahren zurzeit mehr als 3400 Tanker von der Güte der Prestige die Meere, viele davon auch vor unseren Küsten, ohne einen europäischen Hafen anzulaufen, so Feddern. Die EU hat aus dem Prestige-Schaden gelernt, aber es bleibt noch viel zu tun. Um weiterhin auf die Missstände bei der Schiffssicherheit auf den Weltmeeren hinzuweisen, ist die MV Esperanza gegenwärtig auf den Hauptrouten der schwimmenden Zeitbomben in und um Europa unterwegs.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Antarktis: Schutz fürs südliche Polarmeer

Gesunde Meere sind überlebenswichtig: Sie schenken uns Sauerstoff und binden klimaschädliches CO2. Das macht sie zu unseren besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel.

Mehr zum Thema

„Ein gewaltiges Unterfangen“

Vor 22 Jahren besetzten Greenpeace-Aktivisten die Ölplattform Brent Spar – Christian Bussau war dabei. Im Interview schildert er die Aktion – und die aktuelle Situation vor Ort.

Doppelt hält besser

Erfolg fürs Wattenmeer! Auch ein von Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck in Auftrag gegebenes Gutachten besagt: Ölbohrungen im Wattenmeer sind nicht rechtens.

Ein klarer Fall

Der schleswig-holsteinische Umweltminister kann Ölbohrungen im Wattenmeer umgehend untersagen. Das Recht ist auf seiner Seite, so ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace.