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Kein Ölfund vor Grönland - Cairn Energy bricht Bohrungen vorerst ab

Die Erwartungen der Branche waren groß, das Entsetzen bei Umweltschützern umso größer: Die britische Ölfirma Cairn Energy riskierte mit ihrer Suche nach Tiefsee-Öl vor Grönland eine arktische Ölkatastrophe. Das Spiel gegen die Zeit hat Cairn nun verloren. Erst verzögerten Greenpeace-Aktivisten die gefährlichen Bohrpläne, nun legt der Wintereinbruch jegliche Bohrversuche auf Eis.

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Das sind sehr gute Neuigkeiten für diejenigen von uns, die eine Ölkatastrophe in der Arktis verhindern möchten, sagt Jörg Feddern, Ölexperte bei Greenpeace. Den ganzen Sommer hat sich Cairn optimistisch gezeigt - letztendlich sind ihre waghalsigen Grönland-Pläne nun gescheitert.

Ein deutliches Zeichen für die Investoren: Die Cairn-Aktie fiel prompt um 8,4 Prozentpunkte - der niedrigste Stand seit Mai 2010. Tags zuvor hatte Cairn verkündet, dass ihre Alpha-1S1-Bohrung in der Baffin-Bay die angepeilte Zieltiefe nicht erreicht hat. Zwei weitere Bohrprojekte hat Cairn bereits versiegelt und aufgegeben. Für die Tiefsee vor Grönland bedeutet das Scheitern Cairns lediglich einen Aufschub. Die Firma plant trotz des finanziellen Verlusts von etwa 185 Millionen Dollar bereits weitere Bohrungen im kommenden Jahr.

Die Gier nach arktischem Öl

Die Branche vermutet in den Meerestiefen vor Grönland 20 Milliarden Barrel Öl. Grund genug für das von Dänemark finanziell abhängige Land, die Goldgräberstimmung der Ölindustrie zu nutzen und lukrative Bohrlizenzen zu vergeben. Cairn hatte ursprünglich am 1. Juli optimistisch 55 Tage für den riskanten Alpha-1S1-Bohrversuch eingeplant. Im August witterte man bereits das große Geld - angeblich gäbe es Anzeichen für Kohlenwasserstoff-Lagerungen - ein gutes Zeichen für Erdöl- und Gasvorräte. Die Konkurrenz beobachtete gespannt - bereit, im Fall eines größeren Ölfundes ebenfalls loszulegen.

Go Beyond Oil: Protest gegen Cairn-Pläne

Greenpeace-Aktivisten konnten bereits im August die Probebohrungen verzögern: Sie erkletterten auf hoher See die Bohrinsel Stena Don. Der Protest zwang die Betreiber, aus Sicherheitsgründen die Bohrarbeiten für über 40 Stunden unterbrechen.

Der einsetzende Winter schließt nun das ohnehin enge Zeitfenster für Bohrungen in der Arktis. Bereits in den Monaten zuvor dokumentierten Greenpeace-Fotografen, wie Spezialschifffe treibende Eisberge täglich mit Wasserdruck schmolzen, um eine Kollision mit den Förderanlagen zu verhindern.

Cairn ignoriert das Risiko

Cairn bohrt vor der Westküste Grönlands in etwa 300 bis 500 Metern Tiefe. Die Baffin Bay ist die Heimat von bis zu 90 Prozent der Narwal-Population weltweit. Dort leben Blauwale, Polarbären, Seehunde, Haie und zahlreiche Zugvögel.

Trotz steigender Sicherheits-Bedenken angesichts der mehrmonatigen Ölpest im Golf von Mexiko weigert sich Cairn nach wie vor, die eigenen Notfallpläne offenzulegen. Im Falle eines Ölunfalls ist die kleine Firma jedoch nicht nur finanziell schlecht aufgestellt - auch die eigene Schiffsflotte ist kaum groß genug, um eine Ölpest in der Arktis zu händeln. Unter den eisigen Wetterbedingungen in der Arktis könnten die Aufräumarbeiten sich jahrelang hinziehen.

Chevron droht

Auch der US-amerikanische Energiekonzern Chevron war Ziel der Go Beyond-Oil-Tour, auf der Greenpeace das riskante Tiefseegeschäft der Ölindustrie aufdeckte.

Über 100 Stunden verzögerten Greenpeace-Aktivisten im September die Ankunft des Chevron-Ölbohrschiffs im Lagavulin-Feld vor den Shetland-Inseln. Der Ölkonzern selbst hat nun öffentlich zugegeben, mit seinen Bohrungen in der Nordsee eine Ölkatastrophe weitaus größer als im Golf zu riskieren: Bis zu 77.000 Barrel Öl könnten bei einem Unfall täglich austreten. Zum Vergleich: Das sind 25 Prozent mehr als bei der BP-Katastrophe im Golf.

Die Erkenntnis hindert Chevron allerdings kaum daran, ebenso wie Total und die staatlichen dänischen Ölfirma DONG Energy, Großbritannien wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Im Falle eines britischen Moratoriums für Tiefseebohrungen würden sich die drei Ölfirmen aus dem britischen Nordseeraum komplett herausziehen, sodass das Land zunehmend auf teure Ölimporte angewiesen wäre.

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