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Kadetrinne: Greenpeace beendet Überwachung

Greenpeace hat die Überwachung der gefährlichen Kadetrinne am Sonntagmittag beendet. Nach vier Wochen auf See kehrten die Aktivisten mit dem umgebauten Feuerschiff Sunthorice in den Hafen von Warnemünde zurück. 112 Tanker haben sie während ihrer Aktion gesichtet, 28 davon über 20 Jahre alt.

Rund um die Uhr, auch über Weihnachten und Silvester, haben die Umweltschützer die Engstelle in der Ostsee zwischen der dänischen Insel Falster und der deutschen Halbinsel Darß überwacht - vielfach unter schwierigen Wetterbedingungen. In 6-Stunden-Schichten beobachteten die Aktivisten per Radar und Schlauchboot den Schiffsverkehr. Obwohl sie bei weitem nicht jedes Schiff identifizieren konnten, sichteten sie doch fast täglich einen völlig überalteten Tanker.

Das war für vier Wochen wirklich harte Arbeit, mit vereisten Schlauchbooten gegen Wellen und Schnee hinter den Tankern herzufahren, um Namen und Tiefgang zu erfassen, berichtete Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau. Die Überwachung hat uns geschockt und gezeigt, dass wir dringend eine Lotsenpflicht brauchen.

Die Kadetrinne ist eine der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. An ihrer schmalsten Stelle ist sie gerade eine Seemeile (knapp zwei Kilometer) breit und gefährlich flach. Jährlich passieren rund 60.000 Schiffe diese Engstelle, darunter etwa 8.200 Tanker und 14.600 Fähren. Der Verkehr ist so stark, dass die Aktivisten sich an eine Großstadt-Autobahn erinnnert fühlten. Geisterfahrer sind keine Seltenheit. Täglich durchfahren auch bis zu vier Schrotttanker den Engpass. Diese Schiffe sind Einhüllentanker und älter als 20 Jahre, sagte Bussau. Derartige Pötte müssen sofort verboten werden.

Was am 11. Januar der 145 Meter langen Dronning Margrethe II zugestoßen ist, kann jederzeit auch einem der Schrotttanker passieren: Die Fähre war bei Niedrigwasser vor der Insel Falster auf Grund gelaufen. 14 Stunden lang saß sie fest, bevor sie wieder freigeschleppt werden konnte. Auch die Prestige war auf ihrem Weg Richtung Atlantik zunächst durch die Ostseepassage gefahren, bevor sie vor der spanischen Küste havarierte und eine Ölkatastrophe ungeahnten Ausmaßes heraufbeschwor.

Mehr als 3000 solcher schwimmender Zeitbomben, oft unter Billigflaggen und mit zum Teil schlecht ausgebildeten Besatzungen, sind noch auf den Weltmeeren unterwegs. Nach dem Willen der IMO, der Internationalen Schifffahrtsorganisation, sollen sie noch bis zum Jahr 2015 die Meere und Küsten gefährden dürfen. Viel zu lange nach Bussaus Ansicht. Er fordert ein Verbot bis spätestens 2005.

Die genauen Ergebnisse der Kadetrinnen-Überwachung, Schiffslisten und Zwischenfälle wird Greenpeace in einem Report am 20. Januar der Öffentlichkeit vorstellen. Weitere Informationen zum Thema Schiffssicherheit finden Sie auf unserer ABC-Leiste unter S.

Mehr über die Sunthorice erfahren sie unter http://www.sunthorice.de

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