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Greenpeace-Aktivisten verlassen Grönland

Für Jens, Sim, Timo und Matt geht es wieder nach Hause. Die vier Aktivisten, die über 40 Stunden lang die riskanten Tiefseebohrungen von Cairn Energy stoppen konnten, wurden drei Tage nach ihrer Festnahme auf der Bohrplattform Stena Don freigelassen und müssen Grönland verlassen.

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Unsere Kletterer verbrachten zwei Tage unterhalb der Ölbohr-Plattform, nur wenige Meter über dem eisigen arktischen Wasser baumelnd und unter heftigen Wetterbedingungen. Aber jede Minute dort bedeutet eine Minute, in der Cairn Energy seine Bohrungen nicht fortsetzen konnte. Wir wollten Cairn daran hindern, eine Ölkatastrophe in der Arktis auszulösen. Zumindest haben wir es geschafft, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass sie vor Anbruch des arktischen Winters Öl fördern können, sagt Öl- und Klimaexperte Jon Burgwald von Greenpeace Nordic.

Das Greenpeace-Schiff Esperanza lieferte sich tagelang vor der Westküste Grönlands einen Patt mit der dänischen Marine und zahlreichen Polizeibooten, bevor sich im Morgengrauen des 31. Augusts vier Aktivisten mit Schlauchbooten zur Ölplattform Stena Don durchschlagen und sie erklettern konnten. Die britische Ölfirma Cairn Energy musste daraufhin aus Sicherheitsgründen ihre gefährlichen Tiefseebohrungen einstellen. Cairn mischt beim Run auf die arktischen Ölreserven in erster Reihe mit und sucht mit Lizenz der grönländischen Regierung seit Juli 2010 in der Baffin Bay nach Öl.

Greenpeace befürchtet für den Fall eines Fundes, einen Wettlauf der Branche um die arktischen Ölfelder. Die Katastrophen der Vermilion und der Deepwater Horizon im Golf zeigen deutlich, dass es keine ausreichenden Sicherheitsstandards in der Ölindustrie gibt. Ein ähnlicher Unfall in der Arktis wäre kaum zu händeln: Der lange arktische Winter würde jegliche Aufräumarbeiten unmöglich machen.

Auch wenn die Protestaktionen in der Arktis für den Moment gestoppt sind, wird Greenpeace weiterhin weltweit gegen Tiefseebohrungen protestieren und sich für den Schutz der Meere einsetzen. Burgwald bestätigt: Wir konnten die gefährlichen Bohrungen für den Moment stilllegen, aber um das riskante Tiefseegeschäft wirklich zu stoppen, müssen wir weltweit handeln. Die Politik muss unsere Abhängigkeit vom Öl beenden und in saubere, erneuerbare Energien investieren, um den Klimawandel aufzuhalten und wertvolle Gebiete wie die Arktis zu schützen.

Die Chance für die heimischen Gewässer bietet sich vom 20. bis 24. September im norwegischen Bergen: Dort tagt die OSPAR-Konferenz zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks. Der deutsche Umweltminister Röttgen hat bereits das Thema Tiefseebohrungen als Diskussionsthema für die baldige Konferenz beantragt – für Greenpeace kaum ausreichend. Aktivisten haben deshalb heute vor einer Wahlkampfveranstaltung des Ministers in Paderborn protestiert. Röttgen hatte zuvor versprochen, sich für ein Moratorium einzusetzen, dieses Anliegen jedoch äußerst abgeschwächt bei der OSPAR eingereicht. Nun liegt es in der Hand der anderen Mitgliedsstaaten, ein Moratorium auf Tiefseebohrungen für den Nordost-Atlantik durchzusetzen.

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