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Gefahr einer Ölpest an Englands Küste

Vor der Südwestküste Englands liegt das Containerschiff MeShCo Napoli auf Grund. Rettungskräfte hatten es dorthin geschleppt, nachdem das Schiff vergangene Woche im Orkan Kyrill leckgeschlagen war. Nun droht es auseinander zu brechen. Noch sind große Mengen Treibstoff an Bord, die in den Ärmelkanal fließen könnten. Es sind bereits 200 Tonnen Schweröl ausgelaufen und haben zu Umwelt- und Tierschäden geführt. Über die Folgen dieser Havarie sprachen wir mit dem Greenpeace-Seefahrtsexperten Christian Bussau.

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Greenpeace Online: Welche Gefahr geht von dem auf Grund gesetzten Schiff aus?

Christian: Die MeShCo Napoli hatte rund 3.500 Tonnen Treibstoff an Bord. Es handelt sich dabei um Schweröl. Es befindet sich in einem Tank, der sich direkt hinter und längs der Außenhülle des Schiffes befindet. Bei Schiffen, die auf Grund laufen oder gesetzt werden, bilden sich in den ersten Tage zentimetergroße Risse. Die können zum Zerbrechen des ganzen Schiffes führen. Dann brechen auch die Tanks.

Greenpeace Online: Ist das die einzige Gefahrenquelle?

Christian Bussau: Nein, die Napoli hat auch Ladung verloren. Die herumtreibenden Container können mit Schiffen im Ärmelkanal zusammenstoßen. Gerade kleinere Schiffe, wie Segeljachten, können bei einer Kollision schweren Schaden nehmen und Menschen gerieten in Not.

Von den Waren in den Containern geht nur eine lokale Gefährdung aus. Denn die Batteriesäure oder das Parfum werden durch die große Menge Wasser im Kanal schnell verdünnt und in ihrer Wirkung geschwächt.

Greenpeace Online: Immer wieder schrecken uns die Nachrichten von Tankerunfällen auf. Sind Frachter die sicheren Schiffe?

Christian Bussau: Gerade die Napoli zeigt, dass das nicht so ist. 2001 lief sie in der Straße von Malakka auf ein Korallenriff. Dabei wurde schon einmal die äußere Hülle beschädigt. In den folgenden Jahren fiel sie immer wieder mit Mängeln bei Kontrollen auf. Allgemein sind auf den Weltmeeren rund 4.000 Containerschiffe unterwegs. Davon sind etwa 1.000 Schiffe älter als 15 Jahre; 700 Schiffe sogar älter als 20 Jahre und damit überaltert.

Greenpeace Online: Wie kann man dem Problem begegnen?

Christian Bussau: Greenpeace fordert eine langfristige Verjüngung der gesamten Flotte. Außerdem müssen die Schiffe intensiver und öfter kontrolliert werden. Das ist eine Aufgabe der Klassifikationsgesellschaften. Sie sind sozusagen der Schiffs-TÜV. Zugleich fordern wir eine bessere Ausbildung der Besatzungen und der Offiziere. So könnte die Anzahl an Unfällen aufgrund von menschlichem Versagen reduziert werden.

Greenpeace Online: Was sollte jetzt mit der Napoli geschehen?

Christian Bussau: Dort muss schnellstmöglich das Schweröl abgepumpt werden. Die noch verbliebenen über 3.000 Tonnen Öl können großen Schaden anrichten. Beispielsweise haben 2001 bei der Havarie der Baltic Carrier 2.700 Tonnen Schweröl zu einer Katastrophe an der dänischen Küste geführt.

Das ist deutlich weniger als bei den meisten Tankerunglücken. Dabei gelangen oft über 10.000 Tonnen in die Umwelt. Bei der Prestige 2002 waren es sogar 67.000 Tonnen Öl.

Trotzdem wird die Tierwelt stark darunter leiden, wenn das Öl austritt und sich um alles legt. Viele Seevögel, aber ebenso Seesterne, Seeigel, Krebse und Fische würden sterben. Das hat auch Folgen für die Fischerei und den Tourismus in der Region.

Greenpeace Online: Vielen Dank für das Gespräch!

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