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Fast 10 Milliarden Profit in nur drei Monaten

Der amerikanische Erdölkonzern ExxonMobil hat im dritten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 9,92 Milliarden US-Dollar eingefahren. Das sind 100 Millionen US-Dollar Gewinn pro Tag. Es ist der größte Profit in der amerikanischen Firmengeschichte - und damit sicher der größte überhaupt. Der Gewinn des Unternehmens in den ersten neun Monaten stieg auf sagenhafte 25.420.000.000 Dollar. Mehr als das Bruttosozialprodukt Luxemburgs und nur knapp fünf Milliarden unter dem für nächstes Jahr erwarteten Finanzloch in der Bundeskasse.

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Auch andere Ölkonzerne haben im dritten Quartal prächtig verdient: der Shell-Konzern meldete 9,03 Milliarden Dollar Gewinn, British Petroleum immerhin 4,41 Milliarden, die US-Firmen Chevron und Conoco-Philipps 3,6 bzw. 3,8 Milliarden. Gewinn in 90 Tagen! Für das Gesamtjahr wird bei den im Standard & Poor's 500 Aktienindex vertretenen 29 Ölfirmen mit einem Gewinn von rund 96 Milliarden Dollar gerechnet, und es wäre wohl noch deutlich mehr, wenn nicht die Hurrikane Katrina und Rita die teure Ausrüstung im Golf von Mexiko herumgeschoben hätten.

Während Firmen wie Shell oder BP wenigstens begonnen haben, die Abhängigkeit von Erdöl und -gas zu verringern, setzt ExxonMobil nach wie vor ganz auf das Geschäft mit den fossilen Energieträgern. Kaum ein Dollar fließt in Erneuerbare Energien. In Afrika und Asien ignoriert der Ölgigant Menschenrechte. Eine Mitverantwortung für den Klimawandel leugnet der Konzern beharrlich. Die Strafzahlung von rund 5 Milliarden Dollar für die Verseuchung der Küste Alaskas durch den Unfall der Exxon Valdez im Jahr 1989 - Peanuts angesichts der Gewinne - ficht der Konzern immer wieder gerichtlich an. Bezahlt wurde bis heute nicht.

Sondersteuer für exzessive Gewinne?

Die Obszönität der Gewinne hat sogar die amerikanischen Abgeordneten schockiert, sonst nicht gerade bekannt für sozialistische Anwandlungen. Es könne doch nicht angehen, dass die Ölkonzerne sich bereicherten während die amerikanische Durchschnittsfamilie immer mehr für Heizung und Sprit zahlen müsse, empörte sich der demokratische Abgeordnete Charles Schumer in der vergangenen Woche.

Schumer und andere Demokraten möchten die riesigen Gewinne durch ein Sondergesetz besteuern und dadurch Hilfsprogramme für Katrina-Opfer oder den Kauf von Heizöl für Arme finanzieren. Selbst einige Republikaner sind der Ansicht, die Ölkonzerne müssten nachweisen, dass sie mit den Gewinnen verantwortlich umgingen. Sonst werde der Kongress neue Gesetze beschließen. Mit einem Hearing will man schon mal herausfinden, ob es illegale Preisabsprachen gegeben hat.

Der republikanische Sprecher im Repräsentantenhaus, Dennis Hastert, verteidigte die Ölfirmen: Öl- und Gasfirmen machen Rekordgewinne. Das ist in Ordnung. Das ist Amerika, sagte er. Sein Parteifreund Judd Gregg, Senator aus New Hampshire, entgegnete jedoch, es gebe Grenzen der Geduld der amerikanischen Öffentlichkeit. Die Ölfirmen hätten das Vertrauen der Bevölkerung missbraucht. Das mögen neue Töne von mir sein, erläuterte er seine Befürwortung einer Sondersteuer für die Ölkonzerne. Aber ich kann nicht guten Gewissens hier sitzen, während die Bedürftigsten unserer Gesellschaft von den Firmen in der Kälte stehen gelassen werden.

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