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Exxon Valdez: Nach uns die Ölpest

Vor 15 Jahren hat sich in Alaska die schlimmste Ölkatastrophe der Seeschifffahrt ereignet: Im Prinz-William-Sund lief der Esso-Tanker Exxon Valdez auf ein Riff. Noch heute ist der Sund vom Öl verseucht. Der Ölmulti weigert sich beharrlich, die gerichtlich festgesetzten Strafen zu zahlen.

Die Katastrophe ...

Rund 40.000 Tonnen Rohöl sind in den Prinz-William-Sund gelaufen, als die 300 Meter lange Exxon Valdez am 24. März 1989 das Bligh-Riff rammte. Ursache: menschliches Versagen - der Kapitän schlief gerade seinen Rausch aus, als es passierte. Verantwortlich: ExxonMobil - der Konzern (in Europa als Esso bekannt) wusste von der Alkoholkrankheit des Kapitäns.

Anstrengungen, die Katastrophe einzudämmen und das Öl zu bergen, wurden zunächst kaum unternommen. Dann kam Sturm auf und erschwerte alle Maßnahmen. In den folgenden Wochen wurden rund 2.000 Kilometer einer weitgehend unberührten Küstenlandschaft verseucht.

Mindestens 250.000 Seevögel starben. Rund 3.500 Seeotter, 300 Robben, 22 Schwertwale wurden tot aufgefunden; Milliarden von Fischeiern in den wertvollen Laichgründen des Sunds vernichtet. Die Muschelbänke wurden für Jahrzehnte verölt.

... und ihre Folgen bis heute

Anfang März 2004 ist ein Greenpeace-Team zum Prinz-William-Sund gefahren, um die heutige Situation zu untersuchen. Was sie vorgefunden haben, schildert Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid: Es reicht aus, einen Stein anzuheben und darunter finden wir eimerweise die schmierigen und hochtoxischen Ölrückstände der Exxon Valdez. Es ist eine unendliche Ölpest.

Verantwortung? Nicht profitabel.

Auch aus dem Gerichtsverfahren scheint ExxonMobil eine unendliche Geschichte machen zu wollen. 1994 wurde der profitträchtigste Konzern der Welt - 21,5 Milliarden Dollar Gewinn im Jahre 2003 - zum ersten Mal für die Katastrophe verurteilt. Fünf Milliarden US-Dollar Strafe sollte Exxon zahlen und ging in Berufung. Im Januar 2004 wurde der Multi zum dritten Mal verurteilt, diesmal zu einer Zahlung von 4,5 Milliarden US-Dollar. Und wieder kündigte er Berufung an.

Bislang hat ExxonMobil lediglich die gerichtlich verhängte Entschädigung von 287 Millionen US-Dollar für die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe bezahlt. Und die Kosten für die Reinigungsarbeiten - die er dann mit allerlei Tricks von der Steuer absetzte.

Mit seinem Verhalten beweist der Ölkonzern nur, wie wenig ihm die Umwelt wert ist. Hinter Essos Milliardengewinnen steht eine skrupellose Gier nach Öl, Macht und Geld, die der Konzern auf Kosten der Umwelt erwirtschaftet, kommentiert Smid.

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