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Byzantio vor der deutschen Ostseeküste

Greenpeace-Aktivisten haben den Uralt-Tanker Byzantio am Sonntagabend auf der Höhe von Warnemünde an der Einfahrt zur Kadetrinne aufgespürt. Mit Schlauchbooten protestieren sie gegen die Weiterfahrt des Schiffes. Hazard! (Gefahr!) steht auf Bannern, die die Umweltschützer am Rumpf des unter maltesischer Flagge fahrenden Schrotttankers befestigt haben. Mit ihrer Aktion wollen sie vor dem Risiko einer weiteren Ölkatastrophe warnen.

Schon am Freitag hatte Greenpeace im Hafen der estnischen Hauptstadt Tallinn gegen das Auslaufen des Öltankers protestiert. 13 Aktivisten waren vorübergehend festgenommen, später aber wieder frei gelassen worden. Die Byzantio befährt mit 55.000 Tonnen Öl an Bord dieselbe Route wie die Prestige, deren Havarie erst jüngst an der galicischen Küste eine Ölkatastrophe bisher unabsehbaren Ausmaßes verursacht hat.

Die Byzantio - ein 26 Jahre alter Einhüllen-Tanker - gehört zu den schwimmenden Zeitbomben, die nach Ansicht von Greenpeace sofort von den Meeren verbannt werden müssen. Eigner der 55.000 Tonnen-Fracht ist dieselbe Schweizer Firma, die Crown Resources AG, die auch den am 15. November gesunkenen Tanker Prestige gechartert hatte.

Die Route der Byzantio führt durch Ost- und Nordsee an der spanischen Küste vorbei nach Singapur. Auf ihrem Weg hat sie auch die Kadetrinne passiert - die Engstelle zwischen der deutschen Halbinsel Darß und der dänischen Insel Falster. Die Kadetrinne ist eine der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Schifffahrtsstraßen Europas ohne Lotsenpflicht. Wenn der Tanker hier einen Unfall hat, dann ist die deutsche Küste von Lübeck über Rostock und Rügen bis nach Usedom schwarz, warnte Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau am Freitag. Inzwischen hat der Schrotttanker die Ostsee verlassen und setzt seine Fahrt in der Nordsee fort.

Die Byzantio wurde in diesem Jahr in drei europäischen Häfen - Gent, Eleusis, Dublin - bereits fünfmal kontrolliert. Jedesmal wurden Mängel festgestellt. Bei der letzten Kontrolle in Dublin am 9. August wurde das Schiff sieben Tage festgehalten: Offizierspatente und Feuerschutzeinrichtungen waren nicht in Ordnung. Auffällig wurde der Öltanker auch schon wegen Verstoßes gegen das MARPOL-Abkommen zur Verhinderung von Meeresverschmutzung.

Zu den 24 schwersten Tankerunfällen, die sich seit 1967 ereigneten, gehören Namen von Schiffen wie der Exxon Valdez, der Erika oder jetzt der Prestige. Durch sie haben sich Bilder von verwüsteten Küsten und ölverschmierten toten Vögeln ins Gedächtnis eingeprägt. Trotzdem dürfen alte Einhüllen-Tanker nach dem Willen der IMO (International Maritime Organisation) noch bis 2015 die Weltmeere befahren. Das betrifft rund 50 Prozent der weltweiten Tankerflotte.

Greenpeace fordert, dass Tanker, die älter als 20 Jahre sind und nur eine Hülle haben, sofort verschrottet werden. Außerdem sollten in ganz Europa entlang der Tankerrouten in regelmäßigen Abständen Sicherheitshäfen eingerichtet werden, in die verunglückte Schiffe geschleppt werden können. Die europäischen Verkehrsminister müssen das Thema Schiffssicherheit für ihr Treffen ab 5. Dezember in Brüssel ganz oben auf die Tagesordnung nehmen, sagt Bussau. Sonst haben Natur und Menschen beim nächsten Tankerunfall wieder das Nachsehen.

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