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BPs Öl-Desaster

Seit mehr als 50 Tagen sprudelt Öl aus der havarierten Bohrinsel Deepwater Horizon in den Golf von Mexiko. Alle Versuche die Ölkatastrophe zu stoppen, schlugen bislang fehl. Mittlerweile gehen auch Experten davon aus, dass die Menge des entwichenen Öls doppelt so hoch ist wie angenommen. Was macht Greenpeace eigentlich zur Öl-Katastrophe. Dazu sprachen wir mit unserem Ölexperten und Meeresbiologen Christian Bussau.

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Greenpeace-Online: Ist Greenpeace in den USA vor Ort?

Christian Bussau: Wir haben vor Ort ein Team, das die Auswirkungen der Ölpest kontrolliert, fotografiert, filmt und einschätzt. Zusammen mit Ölexperten überfliegen wir regelmäßig die Region und dokumentieren den Verlauf der Katastrophe. Greenpeace-Experten erklären die Auswirkungen des Öldesasters auf die Umwelt und sind gefragte Gesprächspartner von Politikern und Medien.

Greenpeace-Online: Was macht Greenpeace in Deutschand zur Ölkatastrophe im Golf?

Christian Bussau: Wir kontrollieren die 400 Ölplattformen in der Nordsee und dokumentieren Ölverschmutzungen. Alle zwei Jahre überfliegen wir die Region und haben so eine lückenlose Dokumentation erstellt. Dieses Jahr haben wir uns auf Plattformen von BP fokussiert und uns die Tiefbohrungen des Konzerns westlich der Shetlands genauer angesehen.

Greenpeace-Online: Was kann der Einzelne tun?

Christian Bussau: Verbraucher können sich an BP wenden und dem Konzern mitteilen, dass sie eine Ölförderung in der Tiefsee für unverantwortlich halten. Jeder muss für sich entscheiden, auf welche Art er seinen friedlichen Protest äußern will.

Jedem muss aber klar sein, dass alle großen Mineralölkonzerne ähnliche Tiefseeförderprojekte wie BP haben. Dieser Unfall hätte genauso gut einem anderen Konzern passieren können.

Eigentlich geht es um die Frage, wann wir aus den fossilen Brennstoffen aussteigen und das Klima und die Natur durch den Umstieg auf Regenerative Energien schützen. Insofern wäre es richtig, dass die Menschen ihren Verbrauch an fossilen Energien künftig generell einschränken und z. B. weniger Auto fahren, beim Heizen durch bessere Wärmeisolierung Energie sparen, zu einem Ökostromanbieter wechseln etc..

Greenpeace-Online: Welche Konsequenzen müssen aus dem Unfall gezogen werden?

Christian Bussau: Greenpeace fordert, dass keine neuen Lizenzen für die Öl- und Gasförderung in der Tiefsee vergeben werden. Zudem müssen alle bestehenden Offshore-Förderanlagen weltweit überprüft werden.

Sicherheitsstandards und Kontrollmechanismen müssen verbessert und vereinheitlicht werden. Haftungsfragen einfach und klar geregelt werden, damit die Betroffenen zügig und schnell umfassend entschädigt werden können.

Das Interview führte Björn Jettka.

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