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Konzern gesteht menschliche und technische Fehler ein

BP veröffentlicht Bericht zur Ölkatastrophe

Viereinhalb Monate ist es her, dass die Deepwater Horizon Plattform im Golf von Mexiko explodierte. Heute veröffentlichte BP seinen internen Untersuchungsbericht zu den Ursachen der Katastrophe. Die Untersuchung des britischen Ölkonzerns hat ergeben, dass eine ganze Reihe technischer und menschlicher Fehler zu einer der größten Ölkatastrophen der Geschichte geführt haben. Elf Menschen sind dabei ums Leben gekommen.

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Jörg Feddern ist Ölexperte bei Greenpeace und kommentiert den heute von BP vorgelegten Bericht: Der Bericht räumt zwar menschliches Versagen und technische Probleme beim Unglück der Deepwater Horizon ein. Es ist aber kein unabhängiger Bericht. Der Ölmulti versucht, einen Teil der Verantwortung auf die anderen beteiligten Unternehmen abzuwälzen. Greenpeace erwartet von BP, dass sie zu ihrem Wort stehen, Verantwortung übernehmen und für alle durch das Unglück entstandenen Schäden aufkommen.

Riskantes Ölgeschäft

Das Zusammenspiel von menschlichen und technischen Problemen kann bei Tiefseebohrungen immer wieder auftreten und betrifft nicht nur BP. Doch weder BP noch andere Ölkonzerne ziehen Konsequenzen aus diesem Desaster. Sie machen weiter wie bisher. Weltweit gibt es mehr als 500 Tiefseeprojekte, an denen alle großen Ölkonzerne beteiligt sind, so Feddern. Erst letzte Woche haben Greenpeace-Aktivisten eine Plattform vor Grönland besetzt, die in den ökologisch sensiblen arktischen Gewässern Probebohrungen durchführt. Die Bohrungen mussten daraufhin zeitweise gestoppt werden.

Das Greenpeace Schiff Esperanza ist derzeit unterwegs vor Grönland, wo vier Aktivisten am 31. August die Ölplattform Stena Don erkletterten und besetzten. Cairn Energy, der Inhaber der Plattform, musste für diese Zeit die Bohrungen in der Arktis stoppen. Auch wenn die Aktion aufgrund der extremen Wetterbedingungen nach über 40 Stunden beendet werden musste: Der Einsatz der Aktivisten konnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Cairn Energy vor Anbruch des arktischen Winters sein Programm an Probebohrungen abschliessen kann.

Am 02. September konnten bei einer weiteren Explosion einer Bohrplattform im Golf von Mexiko 13 Menschen sich nur durch einen Sprung ins Wasser retten. Die havarierte Bohrinsel Vermilion scheint bereits im September 2008 durch den Hurricane Ike beschädigt worden zu sein. Greenpeace fordert ein weltweites Verbot für Tiefseebohrungen und eine Überprüfung sämtlicher Anlagen von unabhängiger Seite. Sollten Mängel auftreten, müssen diese Installationen umgehend still gelegt werden, so Feddern.

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