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Berlin: Lichtschauspiel für die Arctic 30

Mit einer Laser-Projektion am Berliner Fernsehturm appellierten Greenpeace-Aktivisten am Samstagabend an die russische Ermittlungsbehörde, ihre Anklagen gegen 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Bildjournalisten fallenzulassen. Zwar sind derzeit 28 der „Arctic 30“ gegen Kaution auf freiem Fuß, ihnen drohen jedoch weiterhin mehrjährige Haftstrafen.

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Die Aktivisten fordern mit großen, leuchtenden Lettern an dem mit 368 Metern höchsten Bauwerk Deutschlands: "Save the Arctic". 29 der Arctic 30 wurde eine Freilassung gegen Kaution von jeweils umgerechnet 45.000 Euro gewährt, 28 von ihnen sind bereits auf freiem Fuß. Nur für Colin Russell aus Australien wurde die Untersuchungshaft bis Ende Februar verlängert.

Die Arctic 30 hatten am 18. September friedlich an der Gazprom-Ölplattform Prirazlomnaya in der Petschorasee protestiert. Die russische Ermittlungsbehörde wirft den Aktivisten unter anderem Rowdytum vor, wofür das russische Strafrecht bis zu sieben Jahre Gefängnis vorsieht. Auch die Anklage wegen „bandenmäßiger Piraterie“ wurde bislang trotz entsprechender Ankündigungen nicht formell fallengelassen.

Am Freitag hatte der Internationale Seegerichtshof (ISGH) angeordnet, dass Russland alle Angeklagte unverzüglich freizulassen habe, sobald die Niederlande eine Banksicherheit in Höhe von 3,6 Millionen Euro hinterlegt hätten. Dem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff Arctic Sunrise, derzeit in Murmansk festgesetzt, müsse ferner freie Fahrt gewährt werden. Russland erklärte nach dem Urteil erneut, die Zuständigkeit des ISGH für den Fall nicht anzuerkennen. Die Banksicherheit ist eine „vorläufige Maßnahme“, die an den Ausgang eines noch schwebenden Schiedsverfahren gekoppelt ist, an dem sich Russland bislang ebenfalls nicht beteiligt hat.

Greenpeace setzt sich für den Schutz der von Klimawandel und Industrialisierung bedrohten Arktis ein. Für die von Gazprom betriebene Ölplattform „Prirazlomnaya“ gibt es keine ausreichenden Notfallpläne für einen eventuellen Ölunfall. Es ist die erste Plattform in der Arktis, auf der Öl in großem Stil gefördert werden soll. Durch die rauen Wetterbedingungen kann jeder größere Ölunfall zur Umweltkatastrophe werden.

Zum Weiterlesen:

Seegerichtshof ordnet Freilassung der Arctic 30 an

Von den Arctic 30 dürfen 29 gegen Kaution aus dem Gefängnis

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