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Arctic Sunrise setzt Fahrt trotz russischen Durchfahrt-Verbots fort

Das Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" ist am Samstagmorgen um 7.30 Uhr Moskauer Zeit in die Kara-See vor der Küste Russlands eingefahren. Die russischen Behörden hatten der Crew am Mittwoch die Weiterfahrt in die arktischen Gewässer untersagt - unter fadenscheinigen Argumenten. In dem Gebiet, das sich direkt in Nachbarschaft zum russischen Arktis-Nationalpark befindet, will die Besatzung des Schiffes friedlich gegen die Ölkonzerne Rosneft und ExxonMobil protestieren, die vor Ort Ölbohrungen planen und damit gegen russische Umwelt-Gesetze verstoßen.

"Wir lassen uns durch die illegalen Verbots-Versuche der russischen Regierung nicht davon abhalten, gefährliche Ölbohrungen in der Arktis aufzudecken. Der russische Arktis-Nationalpark ist Heimat vieler seltener und bedrohter Tiere. Die Gefahr, die von rücksichtslosen Ölunternehmen ausgeht, ist unendlich größer als die Gefahr, die von einem Greenpeace-Eisbrecher ausgeht", kommentiert Greenpeace-Sprecherin Christy Ferguson die Entscheidung an Bord der Arctic Sunrise.

"Falls Rosneft und Exxon ihre Offshore-Plattformen in die Gegend bringen, riskieren sie Ölunfälle und -leckagen, die die Region verwüsten würden. Diese Unternehmen verlassen sich auf Geheimhaltung und Ausweichmanöver, aber wir haben die Stimmen von über 3,5 Millionen Arktisschützern weltweit im Rücken."

Obwohl die "Arctic Sunrise" Bestimmungen zur Durchfahrt der Nord-Ost-Passage erfüllt, verweigertem die russischen Behörden am Mittwoch die entsprechende Genehmigung. Ein Antrag bei der Verwaltungsbehörde der Nord-Ost-Passage, die Durchfahrt doch noch zu genehmigen, blieb ergebnislos. Auf einer interaktiven Karte (auf engl.) können Sie sich über den aktuellen Aufenthaltsort der Arctic Sunrise informieren.

Rosnefts Konzession Vostochno-Prinovozemelsky-2 - für die Rosneft in einem Joint Venture mit ExxonMobil zusammenarbeitet - beinhaltet 4.500 Hektar des russischen Arktis-Nationalparks und stellt damit eine unmittelbare Missachtung des russisches Umweltrechtes dar. Der Nationalpark sollte als "Perle der Arktis" die heimische Tourimus-Industrie in Schwung bringen - so wollte es Vladimir Putin bei der feierlichen Einrichtung im Jahr 2009. Das Gebiet ist Heimat von Eisbären, Walrossen sowie Nar- und Grönlandwalen.

Der russische Staatskonzern Rosneft hat außerdem Konzessionen über weitere 1,2 Millionen Hektar erworben - darunter Schutzzonen wie das Bolshoi Arctichesky Natur-Reservat, das Franz-Josef Land Natur-Reservat und das Land- und Seereservat der Wrangelinsel, ein UNESO-Welterbe und Kinderstube vieler Eisbären. Die meisten Konzessionen will Rosneft gemeinsam mit ExxonMobil zur Ölsuche nutzen.

Christoph von Lieven von Greenpeace Deutschland sagt über die besondere Verantwortung der deutschen Bundesregierung: "Deutschland hat eine besondere Einflussmöglichkeit auf Russland: Beinahe ein Drittel des hier verbrauchten Ols kommt aus Russland, Deutschland ist mit Abstand der größte Abnehmer von russischem Öl und Gas. Die Bundesregierung und deutsche Energieunternehmen können diese Position nutzen, um den Schutz der Arktis von Russland einzufordern."

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