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Abpumparbeiten in Neuseeland gehen weiter

Nach einer wetterbedingten Zwangspause haben Arbeiter die Abpumparbeiten am havarierten Containerschiff Rena wieder aufgenommen. Bislang sollen rund 400 Tonnen Schweröl ins Meer geflossen sein. Rund 70 Tonnen wurden abgepumpt.

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Insgesamt hat das Schiff, das auf das Astrolabe Reef aufgelaufen ist, rund 1700 Tonnen Schweröl geladen. Sollte das Schiff auseinanderbrechen, könnte die komplette Menge Öl ins Meer gelangen. Momentan klafft ein großer Riss an der Seite des Schiffes. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rena in zwei Teile zerbricht, ist hoch.

Dann wäre die schlimmste Umweltkatastrophe für Neuseeland seit Jahrzehnten kaum mehr aufzuhalten. Bereits jetzt werden immer mehr Ölklumpen an die Strände gespült. Tiere verenden durch das Öl, zahlreiche Wale und Delphine, die in der Bucht von Mount Maunghani oft kalben, sind bedroht.

Rund 350 Helfer sollen laut der staatlichen Schifffahrts- und Meeresschutzbehörde (MNZ) allein heute im Einsatz sein und den Strand säubern. Die Strände wurden von Mount Maunganui bis Maketu Point gesperrt, nur die Säuberungsteams dürfen die Strände betreten. Am Strand von Papamoa ist bislang das meiste Öl angeschwemmt worden.

Greenpeace-Protest von Polizei begleitet

Derweil haben Greenpeace-Aktivisten heute vor dem Hafen Taranaki gegen das Schiff Polarcus Alima protestiert. Dieses Schiff soll bald aufbrechen, um Gebiete für Tiefseebohrungen zu erkunden. Bereits zum Start der friedlichen Demonstration erwartete ein großes Polizeiaufgebot die Aktivisten. Die Polizei sicherte das umstrittene Schiff, das am Morgen den Hafen erreichte.

Sollte das Schiff auf seiner Erkundungstour erfolgreich sein, könnten die Bohrungen in rund 1600 Metern Tiefe bereits nächstes Jahr starten. Dass diese Bohrungen besonders gefährlich sind, hat die Katastrophe an der Ölplattform Deepwater Horizon gezeigt. Hier waren die Rettungsarbeiten deswegen so schwierig, weil das Leck in großer Tiefe lag.

Greenpeace ist hier, um friedlich zu protestieren, vor allem um zu beleuchten, dass die Regierung ihre kontroversen Pläne von Tiefseebohrungen immer weiter vorantreibt, obwohl gerade immer mehr Öl vom Wrack der Rena ins Meer fließt, erklärt Greenpeace-Experte Simon Boxer.

Schiff verliert Giftcontainer

Zuvor war bekannt geworden, dass das Schiff unter anderem Container geladen hat, die Alkylsulfonsäure enthalten. Durch starken Wind und hohen Wellengang sind einige Container vom Schiff ins Meer gefallen, einer auch mit der giftigen Substanz.

Alkylsulfonsäure kann große Schäden bei Mensch und Natur verursachen. Laut EG-Sicherheitsdatenblatt ist jeder Kontakt mit der Haut zu vermeiden. Die Säure wird gemäß dem Datenblatt in Reinigungsmitteln verwendet. Sie dürfe nicht in Kanalisation, Oberflächenwasser, Grundwasser gelangen. Bislang gibt es keine Meldungen über einen Schaden an diesem Container. Sollte die Säure allerdings freigesetzt werden, muss Neuseeland neben der Ölpest auch gegen ein weiteres Umweltproblem kämpfen.

Hintergund

Das 21 Jahre alte Containerschiff Rena ist am Mittwoch, 5. Oktober, auf das Astrolabe Reef aufgelaufen, das sich rund sieben Kilometer nördlich des Motiti Island befindet. Das 236 Meter lange Schiff hat rund 1700 Tonnen Schweröl an Bord. Medienberichten zufolge sind bereits bei einer früheren Inspektion Mängel festgestellt worden, gerade bei den Seekarten. Dies wies die Reederei des Schiffes allerdings zurück.

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