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91.000 Weihnachtswünsche an BP

Greenpeace-Aktivisten haben heute dem Energiekonzern BP eine Weihnachtsbotschaft der besonderen Art überbracht. In durchsichtigen Geschenkpäckchen lagern vor der Deutschland-Zentrale in Bochum 91.429 Unterschriften. Dabei hätte BP nach der Bescherung im Golf wohl eher die Rute verdient. Die Reaktion der Konzernvertreter: Eher verhalten.

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Seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko am 20. April haben ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten sieben Monate lang in deutschen Städten und im Internet Unterschriften gesammelt und über das riskante Tiefseegeschäft der Ölindustrie informiert.

Das Öl aus dem Bohrleck der BP-Plattform ,Deepwater Horizon' wird noch jahrelang die Umwelt im Golf von Mexiko und die Küsten verschmutzen, sagt Jürgen Knirsch, Sprecher von Greenpeace. Er hat gerade gemeinsam mit einigen Jugendlichen von den Greenpeace-GreenTeams die Unterschriften in Bochum überbracht. BP hat nicht dazu gelernt - so sein Fazit. Bei der Übergabe wird schnell klar: Die Deutschlandzentrale schiebt ihre Verantwortung gerne dem britischen Mutterkonzern zu - und die Tiefseepläne auf Eis legen möchte man schon gar nicht.

Klage gegen BP: Grobe Fahrlässigkeit

Selbst mit gewaltigem logistischen Aufwand gelang es dem Weltkonzern BP monatelang nicht, die Ölpest vor der US-amerikanischen Küste in den Griff zu bekommen: 48.000 Hilfskräfte, 6.000 Schiffe und 120 Flugzeuge waren laut einer derzeit laufenden BP-Imagekampagne im Einsatz. Dennoch strömten 87 Tage lang etwa 780 Millionen Liter giftiges Rohöl unkontrolliert aus. Noch immer sind nicht alle betroffenen Strände für die Fischerei wieder geöffnet.

Die Ölkatastrophe wird BP vermutlich noch teurer zu stehen bekommen, als gedacht: Die USA haben nun Klage eingereicht. Sie werfen dem Konzern und vier weiteren Unternehmen grobe Fahrlässigkeit vor.

Unfall vertuscht?

Bereits im September 2008 soll sich auf einer Gasbohrinsel von BP im Kaspischen Meer eine ähnliche Explosion wie im Golf ereignet haben. Schuld sollen schlecht ausgeführte Betonarbeiten sein. 212 Mitarbeiter konnte BP laut neu veröffentlichten US-Depeschen von WikiLeaks noch gerade rechtzeitig von der Plattform retten.

Sicherheit mangelhaft

BP plant und realisiert derzeit rund fünfzig Tiefsee-Projekte unterhalb von 200 Metern weltweit. Ab einer Wassertiefe von 200 Metern können die Ölfirmen jedoch die Kontrolle über ihre Bohrungen verlieren. Menschliche Taucher können unter diesen Bedingungen kaum mehr eingesetzt werden, um Schäden zu beheben. Ohne ausreichende Sicherheitsstandards gefährden die Ölkonzerne mit ihren Bohrungen das Leben ihrer Mitarbeiter sowie empfindliche Ökosysteme wie zum Beispiel die Arktis.

Greenpeace fordert ein weltweites Verbot für Tiefseebohrungen und eine Überprüfung sämtlicher Anlagen von unabhängiger Seite. Ölkonzerne wie BP müssen für die entstandenen Schäden aufkommen. Zudem ist ein unabhängig verwalteter, von der Ölindustrie finanzierter Ölschadensfonds einzurichten.

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