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Illegale Fischerei bedroht Tunfische im Mittelmeer

Der Blauflossentunfisch im Mittelmeer steht am Rande des Aussterbens! Schuld daran sind skrupellose Piratenfischer sowie das Missmanagement der Fischerei-Industrie und der Politik. Dies zeigt der Greenpeace-Report Wohin sind die Tunfische verschwunden?

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Etwa 90 Prozent der ursprünglichen Raubfischbestände sind ausgestorben. Zu ihnen gehört neben Hai und Schwertfisch auch der Tunfisch. Der heute veröffentlichte Greenpeace-Bericht beweist eindrücklich die Dringlichkeit von griffigen Maßnahmen zum Schutz des Tunfisches und seiner Laichgebiete.

Die Tunfisch-Bestände werden zum Teil illegal geplündert, um die Interessen der Tunfischzucht-Industrie zu befriedigen, sagt der Schweizer Aktivist Daniel Costantino an Bord des Greenpeace-Schiffes Esperanza in Barcelona. Es ist grotesk, dass die Täter, die meist aus Mittelmeerländern wie Spanien, Italien oder Frankreich kommen, von der EU massiv subventioniert werden.

Im Mittelmeer gibt es eine unkontrollierte Ausbreitung von Tunfisch-Farmen. Damit wurde eine neue Spirale der Ausbeutung in Gang gesetzt: Weil sich der Tunfisch nicht züchten lässt, werden zu junge, nicht fortpflanzungsfähige Tiere gefangen und mit Wildfang - extra zu diesem Zweck gefangenem Fisch - gemästet. Um ein Kilogramm Tunfisch zu produzieren, braucht es bis zu 20 Kilogramm Futter.

Das Mittelmeer ist für das Überleben des Blauflossentunfisches von entscheidender Bedeutung. Denn es gibt weltweit nur zwei Laichgebiete dieses Fisches, eines davon vor den Balearen. Jahr für Jahr schwimmen die Fische zu den warmen Gewässern des Mittelmeers, um sich dort fortzupflanzen. Und Jahr für Jahr warten die legalen und illegalen überdimensionierten Fangflotten auf diese Wanderung und schöpfen rücksichtslos die letzten Bestände mit ihren Netzen ab.

Greenpeace fordert ein weltweites Netzwerk von ausgewiesenen Meeresschutzgebieten, die 40 Prozent der Weltmeere und 40 Prozent des Mittelmeeres umfassen. Darüber hinaus müssen an Bord der Tunfisch-Fangschiffe unabhängige Beobachter eingesetzt werden, die für die Aufzeichnung und die Vorlage von Daten über die Fänge zuständig sind. Sie sollen dafür sorgen, dass keine Jungfische - die sich also noch nicht fortgepflanzt haben - aus dem Meer geholt werden. Zudem sollen sie darauf achten, dass die ohnehin zu hohen Fangquoten zumindest eingehalten werden.

Das Mittelmeer ist die vierte Etappe der 14-monatigen Greenpeace-Expedition SOS Weltmeer. Ziel ist es, der UNO ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten vorzuschlagen - 40 Prozent der weltweiten Meeresfläche.

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