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Illegal gefischter Kabeljau auf dem europäischen Markt

Das Greenpeace-Schiff MV Arctic Sunrise kreuzt von August bis Oktober auf der SOS Weltmeer-Tour durch die Nord- und Ostsee, um gegen Überfischung von Kabeljau und Dorsch und illegale Fischerei zu protestieren.

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Nördlich von Norwegen liegt die Barentssee. Sie beherbergt den letzten gesunden Kabeljau-Bestand der Welt. Die Frage ist: Wie lange noch? Nachdem die Bestände des Kabeljaus in der Nordsee leergefischt sind, ziehen die Fischer nun weiter in die Barentssee. Zur legalen Fischerei kommt die Piratenfischerei, die rücksichtslos zur Überfischung der letzten großen Schwärme des begehrten Speisefisches beiträgt.

Am 21. August waren Greenpeace-Aktivisten der MV Arctic Sunrise im holländischen Eemshaven vor Ort, um zu verhindern, dass das russische Kühlschiff Mumrinskiy illegal gefischten Kabeljau ablädt.

Das Vorgehen der Mumrinskiy ist exemplarisch für die kriminellen Praktiken der Piratenfischer in der Barentssee: Dort ist es mittlerweile gängig, den Fang eines Tages geringer anzugeben als er tatsächlich war. Dokumente werden gefälscht, um die ungenehmigten Fänge zu vertuschen. In den folgenden Tagen wird der Kabeljau-Fang oftmals auf Hoher See von den Fischtrawlern auf Kühlschiffe umgeladen. So taucht er in keiner Statistik mehr auf. Im Jahr 2005 wurden nach Angaben des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) in der Barentssee 160.000 Tonnen Fisch illegal gefangen, das sind rund 26 Prozent aller dortigen Fänge.

Kühlschiffe wie die Mumrinskiy bringen den Kabeljau dann in europäische Häfen, wo aufgrund von fehlenden Inspektionen die Anlandedokumente nicht mit den russischen Daten abgeglichen werden. Das Resultat: Illegaler Kabeljau gelangt problemlos und ungehindert auf den europäischen Markt.

Die Mumrinskiy ist ein alter Bekannter: Sie hatte bereits vor dieser Fahrt nach Eemshaven mehrfach Fische von illegalen Trawlern aufgenommen. Wie mittlerweile bestätigt - auch dieses Mal. Dabei bedient sie sich stets desselben Tricks, um den Kontrollen der Norweger zu entgehen: Sie bleibt auf ihrer Fahrt zurück in die europäischen Häfen immer in internationalen Gewässern - dicht entlang der Grenze zur Norwegischen Wirtschaftszone. Sie nimmt den längeren Weg gerne in Kauf; wohl wissend, dass die norwegische Küstenwache in internationalen Gewässern nicht eingreifen kann.

Der illegalen Fischerei kann nur mit verstärkten internationalen Kontrollen das Handwerk gelegt werden. Es ist ein Skandal, dass russische Piratenfischer niederländische oder deutsche Häfen nutzen können, um ihren illegalen Fang anzulanden, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. Die örtlichen Inspektionsbehörden müssen die Möglichkeit nutzen, den Fang zu überprüfen, bevor er abgeladen wird. Wenn dann eine illegale Ladung festgestellt wird, müssen sie die Möglichkeit für Festnahmen haben.

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