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Hat jemand einen Kabeljau gesehen?

Die Lage wird langsam ernst. Kabeljau wird selten. Der beliebte Speisefisch wird hemmungslos abgefischt und ist darum mittlerweile akut gefährdet. Das gilt nicht nur für die Nordsee, sondern auch für die besonders fischreiche Barentssee.

Um die Lage dort zu erkunden, ist seit dem 9. April das Greenpeace-Schiff Esperanza zwischen Spitzbergen und Norwegen unterwegs.

Was die Fischer in der Barentssee wie in anderen Meeresregionen heute in ihren Netzen haben, wenn sie auf Kabeljaufang gehen, sind überwiegend junge Tiere, die noch keinen Nachwuchs zur Welt gebracht haben. Ein sicheres Zeichen für die kritische Lage, in der die Bestände sich befinden: Ältere Fische werden selten, Nachwuchs bleibt aus, der Bestand kann sich nicht mehr erholen. Der Kollaps ist vorprogrammiert.

In vielen Meeresregionen sind die Kabeljaubestände mittlerweile praktisch zusammengebrochen. In der Nordsee, im Skagerrak, im Ärmelkanal und in der Irischen See ebenso wie in einigen arktischen Gebieten. Wissenschaftler fordern deshalb den Stopp jeglicher Fischerei in der Nordsee. In den Fischereiministerien der Länder und auf EU-Ebene ist die Erkenntnis allerdings bisher nur in der Theorie angekommen. Die EU hat für das Jahr 2003 eine Fangquote von 27.000 Tonnen Nordsee-Kabeljau genehmigt, was zusammen mit dem Beifang aus anderen Fischereien genauso viel ist wie im vergangenen Jahr.

Für die Barentssee hatte der ICES (International Council for the Exploration of the Seas) für 2002 eine Quote von 181.000 Tonnen Kabeljau empfohlen. Die Norwegisch-Russische Fischereikommission genehmigte 395.000 Tonnen. Auch 2003 lag die erlaubte Fangmenge über der empfohlenen - gegen jegliche Vernunft .

Was die Fischer dazu meinen, hat die Crew der Esperanza erfahren, wenn sie mit den zumeist russischen Trawlern Kontakt aufnahm. Der Kapitän der "Patrakeevka" zum Beispiel fand die Idee, fischereifreie Zonen festzusetzen, ganz hervorragend. Dass sein Schiff sich gerade in genau einer solchen und sogar einer besonders wichtigen befand, schien ihn dabei nicht zu kümmern. Immerhin war er kontaktbereit. Der Kapitän eines anderen Trawlers war dazu nicht bereit. Er ließ die Greenpeacer gar nicht erst an Bord.

In der Regel aber zeigten sich die Fischer durchaus entgegenkommend. Wieviel Kabeljau sie gefangen hatten, wollten sie allerdings nicht preisgeben. So viel immerhin waren sie zu sagen bereit: dass der ins Netz gegangene Kabeljau durchschnittlich ein Kilo wog. Ein ausgewachsener Fisch dagegen wiegt bis zu 15 Kilo. In sehr seltenen Fällen ging früher sogar mal ein 40 Kilo-Brocken ins Netz. (sit)

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