Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Hafenbau in Indien gefährdet Meeresschildkröten

Wenn eines der größten Stahlunternehmen Indiens, die Tata-Group, seinen Plan umsetzt, entsteht in der Nähe des ostindischen Dhamra eine neue Hafenanlage für Erz- und Kohletransporte. Tata legt größten Wert darauf, als Unternehmen höchsten Umweltschutzanforderungen zu genügen. Deshalb hatte die Konzernspitze angekündigt, bei ökologischen Bedenken den Hafen nicht zu bauen.

  • /

Eine beruhigende Aussage, zumal in fünf Kilometer Entfernung das Bhitarkanika-Schutzgebiet liegt. Dort befindet sich der zweitgrößte noch intakte Mangrovenwald Indiens. Noch ein Stück weiter entfernt erstrecken sich die Gahirmatha-Strände. Sie gelten als der größte Brutplatz der Welt für die bedrohte Ridley-Schildkröte. Tata behauptet, das alles sei durch den Bau und den anschließend fertigen Hafen nicht gefährdet. Es gebe es keinen wissenschaftlichen Hinweis auf ein Risiko.

Nun hat ein Forscherteam der North Orissa University eine neue Studie vorgelegt, nach der der Hafenneubau ein ökologischer Fehler sei und zu irreversiblen Zerstörungen führen werde. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Ridley-Schildkröten auch in dem Gebiet vorkommen, wo der neue Hafen gebaut werden soll. Dort zählt man schon jetzt jährlich rund 2.000 tote Schildkröten, die der Fischerei zum Opfer gefallen sind. Steht erstmal der Hafen, erhöht sich die Sterberate der Tiere wegen der steigenden Umweltverschmutzung und des anwachsenden Schiffsverkehrs.

Das ist jetzt ein Test für Tatas Glaubwürdigkeit, sagt Ashish Fernandes, Meeresexperte von Greenpeace in Indien. Tata hat versprochen, Auswirkungen auf die Umwelt zu berücksichtigen und gegebenenfalls auf den Bau des Hafens zu verzichten. Wir fordern Tata jetzt auf, das Hafenprojekt sofort zu stoppen. Es gibt einfach keine Möglichkeit mehr, den Hafen in Dhamra zu bauen und sich selbst immer wieder als umweltfreundliches Unternehmen darzustellen. Bislang hat sich Tata dazu noch nicht abschließend geäußert.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Das Wegwerfprinzip

„Bioplastik“, „Chemisches Recycling“ – so was klingt erst mal gut, ist es aber nicht. Der Report „Das Wegwerfprinzip“ beschreibt, mit welchen Tricks multinationale Konzerne die Öffentlichkeit täuschen.

Bedrohte Tiefsee

Der Wettlauf um die Ressourcen auf dem Meeresboden hat begonnen. Grund ist der große Hunger der Hightech-Industrie nach Kobalt, das sich in den Manganknollen in tausenden Metern Tiefe befindet. So wird der Tiefseebergbau eine der schwerwiegendsten neuen Bedrohung für unsere Ozeane, noch bevor wir ihre sensiblen Ökosysteme und ihre Prozesse überhaupt verstanden haben.

Mehr zum Thema

Dreckiges Ölgeschäft

Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Dagegen protestieren seit heute Morgen Greenpeace-Aktivisten und kletterten auf zwei Plattformen.

„Es ist besorgniserregend“

Noch eine schlechte Nachricht fürs Klima: Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet. Ein Interview zum IPCC-Sonderbericht Meere mit Greenpeace-Experten Karsten Smid.

Schatzkammer Tiefsee

Der Hunger der Hightech-Industrie treibt den Wettlauf um die Rohstoffe auf dem Meeresboden voran. So wird der Tiefseebergbau zu einer massiven Bedrohung für unsere Ozeane.