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Wissenschaftler erforschen in der Arktis die Ozeanversauerung

Größte Datensammlung zur Ozeanversauerung

Über sechs Wochen haben Wissenschaftler des IFM-Geomar in der Arktis die Ozeanversauerung erforscht. In sogenannten Mesokosmen, großen Reagenzgläsern, haben sie verschiedene Versauerungsgrade simuliert. Dabei haben sie Werte genommen, die dieses Jahrhundert zu erwarten sind, wenn die Kohlendioxid-Emissionen nicht sinken. Wie kommen die Lebewesen der Arktis mit dem niedrigen pH-Wert zurecht? Was verändert sich im Ökosystem? Mit den Experimenten haben die Wissenschaftler die größte Datensammlung über die Ozeanversauerung erstellt.

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Wir haben mit diesem Experiment einen Riesensprung in der Forschung zur Ozeanversauerung gemacht, sagt Prof. Ulf Riebesell, wissenschaftlicher Leiter des IFM-GEOMAR. In den nächsten Wochen werden wir die Daten auswerten und interpretieren. Erste Ergebnisse zeigen unerwartet gravierende Auswirkungen: Das Phytoplankton, zum Beispiel die Kieselalge, vermehrt sich wesentlich langsamer, wenn das Meer saurer ist. Phytoplankton ist die Basis des Nahrungsnetzes in den Meeren. Starke Beeinträchtigungen des Phytoplanktons können massive Folgen für das gesamte Nahrungsnetz und Ökosystem haben, erläutert Dr. Iris Menn, Meeresbiologin bei Greenpeace.

Die Versauerung der Ozeane ist eine Folge des steigenden Kohlendioxid-Gehalts der Atmosphäre. Durch Kohle- und Öl-Verbrennung gelangt CO2 in die Luft und die Weltmeere nehmen es auf. Dann verbindet sich das Wasser mit dem CO2 zu Kohlensäure. Besonders stark betroffen sind die Polargebiete, weil die CO2-Aufnahme bei kalten Temperaturen am höchsten ist. An einer Flasche Sprudel lässt sich im Sommer das gleiche Phänomen beobachten: Ist sie kalt, ist das Wasser noch erfrischend sprudelnd. Je wärmer das Wasser wird, umso abgestandener schmeckt es, weil die Kohlensäure aus dem Wasser entwichen ist.

Die Versauerung des Ozeans wirkt sich zunächst auf kalkbildende Lebewesen wie Muscheln oder Korallen aus. Hohe Mengen Kohlensäure zersetzen die Schalen und hemmen die Kalkbildung. Nach bisherigen wissenschaftlichen Prognosen könnten Tiere mit Kalkschalen und -skeletten das bereits in sieben Jahren in Teilen des Arktischen Ozeans zu spüren bekommen.

Die Versauerung der Ozeane kann nur aufgehalten werden, wenn die CO2-Emissionen sinken. Greenpeace fordert, dass die Industrienationen ihren CO2-Auststoß bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Auch Schwellenländer wie China müssen ihre CO2-Emissionen begrenzen, so dass der weltweite Ausstoß ab 2015 sinkt.

Während die Wissenschaftler die Experimente durchführten, umrundete Greenpeace Spitzbergen mit der Esperanza und sammelte weitere wichtige Daten zum Meeresschutz: Zum Beispiel erstellte die Crew Tiefseekarten und dokumentierte die vielen Fischflotten, die die Arktis immer weiter ausbeuten. Von Ny-Ålesund transportiert die Esperanza die Mesokosmen demnächst wieder zurück nach Kiel.

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